Der Zugbegleiter Ronald-Phillip Tolkiehn wird für seinen außergewöhnlichen Einsatz im Schneechaos mit der goldenen Auszeichnung „Eisenbahner mit Herz 2026“ geehrt. Die Verleihung fand im historischen Kaiserbahnhof in Potsdam statt, organisiert von der Allianz pro Schiene. Tolkiehn ist einer von mehreren Preisträgern, die in diesem Jahr für ihre Menschlichkeit ausgezeichnet wurden.
Hilfe in der Not: Eine Nacht im Schnee
An einem Januarabend steckte ein voller Regionalzug in Esslingen (Baden-Württemberg) dreieinhalb Stunden im Schnee fest. Während viele Reisende verzweifelten, bewahrte Tolkiehn die Ruhe. Er kümmerte sich um jeden Fahrgast, telefonierte sogar mit dem Bewährungshelfer zweier Häftlinge auf Freigang, die Angst vor einer Strafe hatten. Als der Zug endlich am Bahnhof ankam, war die Tortur noch nicht vorbei. Kein Taxi fuhr mehr. Tolkiehn lud das ältere Ehepaar Ulrike und ihren Mann kurzerhand in sein eigenes Auto und fuhr sie sicher durch den Schnee nach Hause. „Es ist einfach meine Art“, erklärte der Zugbegleiter von Arverio. „Wenn ich sehe, dass einer Hilfe braucht, dann biete ich meine Hilfe an.“
Gedenkminute für getöteten Kollegen
Die Preisverleihung stand in diesem Jahr unter einem besonderen Zeichen. Im Februar war der Zugbegleiter Serkan Çalar bei einer Ticketkontrolle in Rheinland-Pfalz tödlich angegriffen worden. „Wir werden mit einer Gedenkminute an Serkan Çalar die Verleihung starten“, sagte Pressesprecherin Sabrina Wendling. „Ich bin mir sicher: Jeder der Preisträger trägt ihn in sich bei der Verleihung.“ Çalar erlag zwei Tage nach der Tat seinen Verletzungen. Er war alleinerziehender Vater von zwei Kindern und verlobt.
Weitere Auszeichnungen für Engagement
Neben Tolkiehn erhielten Manuel Drechsel, Steffen Richter und Sven Schimmel aus Dresden und Umgebung den silbernen Preis. Sie kümmerten sich nach einem Krampfanfall um eine Reisende mit posttraumatischer Belastungsstörung, nahmen sie in den Lokführerstand mit und halfen ihr, zur Ruhe zu kommen. Schimmel legte trotzdem seine Prüfung zum Lokführer mit Bravour ab. Patricia Bergmann, Mobilitätsservice-Mitarbeiterin am Bahnhof Landshut, half einer 14-Jährigen im Rollstuhl trotz fehlenden Aufzugs und erhielt die Bronze-Ehrung. Der Sonderpreisträger Alexander Rezek arbeitet im Reisezentrum am Kölner Hauptbahnhof und begeistert mit seiner freundlichen Art, die ihm immer wieder Fanpost einbringt.
Wertschätzung für Bahnbeschäftigte
Die Allianz pro Schiene möchte mit dem Preis die Wertschätzung für Bahnbeschäftigte erhöhen, die oft verbalen und körperlichen Übergriffen ausgesetzt sind. „Viele machen trotz allem ihren Job gern. Trotz aller Hürden wie Verspätungen oder die Sicherheit. Ihnen soll etwas Anerkennung zurückgegeben werden“, so Wendling.



