München – Mit einer bewegenden Trauerfeier in der Münchner St. Michael Kirche haben Familie, Freunde und prominente Wegbegleiter Abschied von der Schauspiel-Legende Mario Adorf genommen. Der am 2. Mai im Alter von 95 Jahren verstorbene Darsteller wurde im engsten Kreis geehrt. Nur rund 200 geladene Gäste hatten Zugang zu der Zeremonie, die von tiefer Trauer und Verbundenheit geprägt war.
Eine Kirche voller Emotionen
Schon vor Beginn der Trauerfeier lag eine besondere Stimmung in der Luft. Vor der Kirche in der Neuhauser Straße versammelten sich zahlreiche Schaulustige, während die Gäste sichtlich bewegt eintrafen. Der Altar war geschmückt mit zwei überdimensionalen Schwarz-Weiß-Porträts des Verstorbenen, weißen Kerzen und Chrysanthemen. In der Kirche wurde es still, als die Zeremonie begann. Tochter Stella Maria Adorf hielt eine persönliche Ansprache, die viele zu Tränen rührte. Sie schloss mit den Worten: „Wir waren Kumpel, und wie gerne würde ich ihm jetzt zurufen: Da capo, Mario!“ – auf Deutsch etwa: „Spiel’s noch einmal!“
Prominente Weggefährten
Unter den Trauergästen befanden sich zahlreiche bekannte Gesichter aus Film, Fernsehen und Kultur. Senta Berger, die Adorf als ihren „Lebensfreund“ bezeichnete, würdigte ihn mit bewegenden Worten. Veronica Ferres, die Adorf beim Dreh der Kult-Komödie „Rossini“ kennenlernte, nannte ihn den „warmherzigsten Menschen“. Sie erinnerte sich: „Mein Vater und Mario Adorf waren das gleiche Baujahr, waren befreundet, und auch ich war 35 Jahre lang mit ihm befreundet. Wir sind zusammen in den Urlaub gefahren. Das war ein ganz, ganz schwerer Abschied.“ Auch Uschi Glas, Iris Berben, Günter Netzer, Dominik Elstner (Sohn von Hannelore Elsner) und Michael Graeter waren gekommen. Günter Netzer, der mit Ehefrau Elvira erschien, sagte mit tränenerstickter Stimme: „Mario war ein großartiger Mensch, ich bin froh, dass ich ihn über viele Jahrzehnte auf seinem Lebensweg begleiten durfte.“
Witwe Monique Adorf dankt auf Französisch
Adorfs Witwe Monique Faye (81) kam mit einem VIP-Shuttle vom Hotel Bayerischer Hof zur Kirche. Sie nahm Anteilnahmen entgegen und dankte auf Französisch: „Merci beaucoup – vielen Dank.“ Sie wirkte gefasst. Tochter Stella (62) war ebenfalls anwesend und fand bewegende Worte für ihren Vater.
Empfang im Bayerischen Hof
Nach der Zeremonie zog die Trauergesellschaft mit einem Shuttle-Bus weiter in den Bayerischen Hof. Im Dachgarten-Restaurant fand ein Empfang statt. Bei Sonnenschein und 24 Grad wurde hoch über den Dächern Münchens gemeinsam des Schauspielers gedacht. Der Ort hat eine besondere Bedeutung: In den Achtzigern entstanden hier Szenen der Kultserie „Kir Royal“, in der Adorf als Kleberfabrikant Heinrich Haffenloher brillierte – mit dem legendären Satz: „Isch scheiß disch sowatt von zu mit meinem Jeld.“
Letzte Ruhe in Saint-Tropez
Obwohl München für Adorf eine wichtige Rolle spielte, wird seine letzte Ruhestätte in Frankreich liegen. Der Schauspieler wurde bereits eingeäschert. Seine Beisetzung soll in den kommenden Wochen im engsten Familienkreis auf dem Cimetière marin de Saint-Tropez erfolgen – mit Blick auf das Mittelmeer. Saint-Tropez war für Adorf und seine Frau ein besonderer Ort, an dem sie viele Sommer fernab des Rampenlichts verbrachten. Zuletzt hatten die beiden einen Zweitwohnsitz in der Adalbertstraße in Schwabing, in einem Altbau mit hohen Decken, edlem Parkett und Erinnerungsstücken aus aller Welt.
Ein Leben für die Schauspielkunst
Mario Adorf begann seine Weltkarriere in den Fünfzigern an den Münchner Kammerspielen. Er liebte München und lebte zeitweise mit seiner Frau in der Stadt. Mit Filmen wie „Winnetou“, „Die Blechtrommel“, „Der große Bellheim“ und „Kir Royal“ prägte er die deutsche Filmgeschichte. Er hinterlässt seine Ehefrau Monique, Tochter Stella (62) sowie Enkel Julius (22). Stella stammt aus einer früheren Beziehung mit der Schauspielerin Lis Verhoeven.



