AfD in Sachsen-Anhalt: Straßenwahlkampf und die Reaktion der Konkurrenz
AfD-Mobilisierung in Sachsen-Anhalt: Andere Parteien reagieren

Die AfD in Sachsen-Anhalt verfolgt eine klare Strategie: gezielter Kontakt zu Bürgern auf der Straße. Mit leuchtend blauen Infoständen, fröhlichen Werbebildern und dem Slogan „Hol dir dein Land zurück“ erobert die Partei zunehmend öffentlichen Raum. Seit Jahren ist sie nicht nur mit Ständen präsent, sondern auch bei Demonstrationen und Bürgerdialogen. Das Ziel: der Sieg bei der Landtagswahl im September. Die angestrebte Alleinregierung soll das Ergebnis einer intensiven Fleißarbeit auf den Straßen in Magdeburg, Bitterfeld und Naumburg sein – die Unzufriedenheit der Menschen anhören und versprechen, dass sich mit der AfD vieles ändern würde.

Mobilisierung trotz geringerer Mitgliederzahl

Politikwissenschaftler Benjamin Höhne von der TU Chemnitz beobachtet: „Die AfD mobilisiert stärker als die Mainstream-Parteien, obwohl sie weniger Mitglieder hat als CDU oder SPD. Viele AfD-Mitglieder sind motiviert und engagiert. Das Ankämpfen gegen einen gemeinsamen Gegner schweißt zusammen.“ Am 1. Mai plant die AfD ein großes Familienfest in Schönebeck, zu dem mehrere Tausend Menschen erwartet werden. „Parteipolitik hat immer auch eine geselligkeitsorientierte Seite. Mit einem Familienfest können auch Menschen angesprochen werden, die einen Bogen um harte rechtsextreme Parolen machen“, so Höhne. „So ein Fest dient auch der Normalisierung der AfD.“

Reaktion der anderen Parteien

Die AfD wird in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft, doch die Wähler scheint das nicht abzuschrecken. In Umfragen liegt die AfD bei etwa 38 Prozent – mehr als zehn Prozentpunkte vor der CDU. Haben die anderen Parteien die Konfrontation mit den Bürgern zu sehr gescheut? Höhne verneint: „Ich würde nicht von Selbstgefälligkeit sprechen. Aber vielleicht haben sie sich manchmal zu sehr parlamentarischen Routinen hingegeben.“ SPD und CDU geben sich nach außen gelassen. „Wir setzen auf unsere eigene Stärke“, teilt die SPD mit. Die CDU betont: „Wir setzen nicht auf Lautstärke, sondern auf Verlässlichkeit, Inhalte und dauerhafte Präsenz.“ Doch hinter den Kulissen zeigen sich manche Politiker ernüchtert. CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze fordert: „Wir müssen wieder mehr raus auf die Marktplätze. Das war mal unsere große Stärke.“

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Vielfältige Gegenstrategien

Schulze investiert als Ministerpräsident viel Zeit in Termine wie Spatenstiche, Schulbesuche oder Kochshows, um bekannter zu werden. Die Linke setzt auf Gespräche an Haustüren, die SPD plant eine „Tür-zu-Tür-Kampagne“. Die Grünen punkten mit dem Motto „Zeit, dass dich wer hört“ und wollen vor allem jene erreichen, die sich Sorgen um die Zukunft machen. „Die AfD ist aktuell sehr sichtbar im öffentlichen Raum, auch durch erhebliche finanzielle Ressourcen. Gleichzeitig erleben wir eine starke und engagierte Zivilgesellschaft, die sich klar positioniert“, so die Grünen. Bundesweit liegt der Fokus auf Sachsen-Anhalt, weil die AfD hier erstmals ein Bundesland regieren könnte. Die AfD gibt sich selbstsicher und will 1,4 Millionen Euro für den Wahlkampf ausgeben. „Wir haben die Grundlage geschaffen, einen Wahlkampf zu bestreiten, den Deutschland noch nicht gesehen hat“, so Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Letztlich entscheiden die Ergebnisse von SPD, Grünen, BSW oder FDP darüber, ob eine AfD-Alleinregierung verhindert wird.

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