Ein beispielloser Vorgang erschüttert die Fußball-Weltmeisterschaft: US-Präsident Donald Trump soll persönlich bei FIFA-Präsident Gianni Infantino interveniert haben, um eine Sperre für US-Stürmer Folarin Balogun aufzuheben. Der 23-Jährige hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte gesehen, doch die FIFA setzte die Sperre für das Achtelfinale gegen Belgien am Dienstag (2.00 Uhr MESZ/ARD und MagentaTV) aus. Mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen bestätigten gegenüber „The Athletic“ und der Nachrichtenagentur AP den ungewöhnlichen Ablauf. Weder die FIFA noch das Weiße Haus haben die Informationen bislang kommentiert.
Trump feiert Entscheidung auf Truth Social
Trump selbst meldete sich umgehend auf seiner Plattform Truth Social zu Wort: „Vielen Dank an die FIFA, dass ihr das gemacht habt, was richtig ist und eine große Ungerechtigkeit wiedergutgemacht habt.“ Der 80-Jährige unterschrieb mit „Präsident DONALD J. TRUMP“. Er war bislang bei keinem WM-Spiel vor Ort, wird aber spätestens zum Endspiel am 19. Juli in East Rutherford erwartet. Der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp kommentierte bei MagentaTV: „Wenn das wirklich Trump und Infantino ausgemacht haben, das ist verrückt.“
Belgiens Trainer spricht von Aprilscherz
Die belgische Mannschaft reagierte fassungslos. Trainer Rudi Garcia sagte: „Ich wusste nicht, dass der 5. Juli bei der WM wie der 1. April ist. Es klingt wie ein schlechter Scherz.“ Der Verband gab ein Statement ab, in dem Konsequenzen nicht ausgeschlossen wurden: „Wir verteidigen nicht Belgien, wir verteidigen den Fußball. Das ist das erste Mal in der WM-Geschichte, dass so eine Entscheidung getroffen wird.“ Auch unter den US-Spielern hielten einige die Nachricht zunächst für einen von künstlicher Intelligenz erstellten Fake.
Artikel 27 als Begründung
Die FIFA berief sich auf Artikel 27 ihres Disziplinarreglements, wonach die Durchführung einer Disziplinarmaßnahme ganz oder teilweise ausgesetzt werden kann. Baloguns Sperre wurde für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Sollte er sich in dieser Zeit „einen weiteren Verstoß gleicher Art und Schwere“ erlauben, werde die Sanktion vollstreckt. Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich kritisierte: „Das Interessante ist in der Tat, dass wir keine Begründung haben. Es wird irgendwann eine nachgeliefert und am Ende wissen wir nicht, worum es geht.“
Unterschied zu Ronaldo-Fall
Bereits im Vorjahr hatte die FIFA Artikel 27 bei Cristiano Ronaldo angewandt, der nach einer Roten Karte für eine Partie gesperrt wurde, die weiteren zwei Spiele aber zur Bewährung ausgesetzt bekam. Der Unterschied: Bei Ronaldo wurde die Sperre nur verkürzt, bei Balogun nun de facto aufgehoben. Der Stürmer von AS Monaco ist mit drei Toren der erfolgreichste Angreifer der USA und gilt als gesetzt für das Achtelfinale.
Pochettino verteidigt Entscheidung
US-Trainer Mauricio Pochettino begrüßte die Entscheidung: „Ich denke, wir müssen feiern, dass das eine faire Entscheidung ist, uns nicht noch mehr zu bestrafen. Das war schon genug.“ Er betonte jedoch, dass er Balogun auch auf die Bank setzen könnte. „Vielleicht ist meine Entscheidung auch, Balogun auf die Bank zu setzen. Unsere Stärke ist der ganze Kader.“ Rund 70.000 Fans werden im Lumen Field in Seattle erwartet.
Integrität der FIFA infrage gestellt
Der Vorgang wirft ein schlechtes Licht auf die FIFA. Ittrich sagte: „Das ist in Teilen unerträglich, was da passiert.“ Die Vorwürfe einer politischen Einmischung aus dem Weißen Haus stellen die Integrität des Weltverbandes infrage. Es bleibt abzuwarten, ob das Duell gegen Belgien um den alternden Kevin De Bruyne sportlich im Vordergrund stehen wird oder der Fall Balogun den Fußball überlagert.



