Wege zum Frieden in der Ukraine: Historische Lektionen
Der Historiker Eckart Conze hat untersucht, wie Kriege enden – basierend auf deutschen Erfahrungen seit dem Dreißigjährigen Krieg. Im Interview mit dem SPIEGEL zieht er Parallelen zum aktuellen Konflikt in der Ukraine. Seine zentrale Botschaft: „Putin muss klar werden, dass er diesen Krieg nicht gewinnen kann“, so Conze. Kriege endeten, wenn die beteiligten Akteure kein Interesse mehr daran hätten, sie fortzusetzen. Dies gelte auch für den Ukraine-Krieg.
Historische Muster der Kriegsbeendigung
Conze betont, dass Friedensprozesse oft langwierig seien und von einem Kräftegleichgewicht abhingen. Am Beispiel des Dreißigjährigen Krieges zeige sich, dass Verhandlungen erst dann erfolgreich seien, wenn alle Seiten militärisch erschöpft seien. „Entscheidend ist die Einsicht, dass eine militärische Lösung nicht möglich ist“, erklärt der Historiker. Für die Ukraine bedeute dies, dass Russland seine Kriegsziele anpassen müsse.
Rolle der internationalen Gemeinschaft
Die internationale Gemeinschaft könne Druck ausüben, etwa durch Sanktionen und diplomatische Initiativen. Conze warnt jedoch vor zu hohen Erwartungen: „Frieden lässt sich nicht erzwingen, er muss von den Kriegsparteien gewollt werden.“ Der Westen solle daher auf eine langfristige Strategie setzen, die Russland eine Perspektive biete, ohne die Ukraine preiszugeben.
Lehren aus der deutschen Geschichte
Deutschland habe nach dem Zweiten Weltkrieg gezeigt, dass eine friedliche Neuordnung möglich sei – allerdings unter völlig anderen Bedingungen. „Die Ukraine befindet sich in einer anderen Lage, aber das Prinzip bleibt: Kriege enden, wenn die Kosten der Fortsetzung höher sind als der Nutzen“, so Conze. Dies müsse Putin vermittelt werden.
Ausblick: Wann kann Frieden kommen?
Eine konkrete Prognose wagt Conze nicht. Doch er ist überzeugt: „Der Krieg wird nicht ewig dauern. Irgendwann wird auch Russland ein Interesse an einer Beendigung haben.“ Bis dahin gelte es, die Ukraine weiter zu unterstützen und gleichzeitig diplomatische Kanäle offen zu halten.



