Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker beteuert, er mische sich nicht in die Personalentscheidungen des ORF ein. Doch angesichts der politischen Besetzung des Stiftungsrats, der die neue Führung wählt, stoßen seine Aussagen auf Skepsis. Im Interview mit dem „Standard“ zeigte sich Stocker über die jüngsten Vorwürfe gegen den ORF erstaunt. Er forderte Aufklärung über die berichteten Missstände, darunter Übergriffe und Drogenkonsum, die jedoch nicht alle belegt seien. „Es sind noch sehr viele Fragen offen“, so Stocker. „Die Vorgänge haben das Ansehen des ORF jedenfalls in Mitleidenschaft gezogen.“
Politische Einflussnahme bei der ORF-Wahl
Die Bestellung der ORF-Spitze ist traditionell eine hochpolitische Angelegenheit. Formal wählt der Stiftungsrat den Generaldirektor oder die Generaldirektorin. Dieser Rat wird jedoch politisch beschickt, und die Parteien koordinieren sich in sogenannten „Freundeskreisen“.
Dass der ÖVP-Chef, der zugleich Bundeskanzler ist, hier nicht mitreden will, halten viele für realitätsfern. Stocker betont: „Die Bestellung der neuen Generaldirektion muss geordnet über die Bühne gehen – ohne dass sie von Umstrukturierungsplänen überlagert wird.“ Reformen des ORF seien nötig, insbesondere eine Entpolitisierung. Doch ob die politischen Kräfte, die ihren Einfluss geltend machen, freiwillig darauf verzichten, ist fraglich.
Affäre um Roland Weißmann
Parallel beschäftigt die Öffentlichkeit die Affäre um den zurückgetretenen ORF-General Roland Weißmann. Er soll einer Mitarbeiterin gegenüber sexuelle Forderungen gestellt und ungefragt Fotos seiner Genitalien gesendet haben. Die Frage, ob dies als sexuelle Belästigung zu werten ist, sorgt für Diskussionen. Abseits der politischen Brisanz stellt sich die grundsätzliche Frage: Warum glauben Männer, mit solchen Bildern Frauen beeindrucken zu können?
Neue Podcastserie „Der Fall Freud“
Der Inside-Austria-Podcast startet eine neue Serie über Sigmund Freud. Anlässlich seines 170. Geburtstags im Mai wird das Leben des Psychoanalyse-Begründers beleuchtet. Die Hosts Antonia Rauth und Lucia Heisterkamp begeben sich auf Spurensuche durch Wien, treffen Analytiker, Hypnotiseure und Traumdeuter. Die Serie „Der Fall Freud“ startet am 2. Mai und ist überall verfügbar, wo es Podcasts gibt.
Bundeskanzler Stocker kommentierte zudem die weltpolitische Lage: „Mit Trump ist die Welt nicht einfacher und friedlicher geworden.“ Weitere aktuelle Themen sind die Causa Weißmann vor der Gleichbehandlungskommission, wirtschaftliche Analysen zum Spritpreis und die Auswirkungen der Trump-Regierung auf den Tourismus.



