Streit um Orden: Selenskyj schickt Auszeichnung nach Polen zurück
Orden zurück: Selenskyj schickt Auszeichnung nach Polen

Selenskyj gibt Orden zurück – Eskalation im polnisch-ukrainischen Streit

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den polnischen Orden des Weißen Adlers nach Warschau zurückgeschickt. Dies teilte er am Samstag auf der Onlineplattform X mit und veröffentlichte Fotos aus der Poststelle des Präsidialamts in Kyjiw, die den verpackten und an den polnischen Präsidenten Karol Nawrocki adressierten Orden zeigen. Nawrocki hatte Selenskyj die höchste Ehrung des Landes am Freitag entzogen.

Mehrere ukrainische Politiker schlossen sich ihrem Staatschef aus Protest an. Der ukrainische Präsidentenberater Kyrylo Budanow sowie der ukrainische Botschafter in Warschau, Wasyl Bodnar, erklärten am Samstag, sie würden aus Solidarität mit Selenskyj ebenfalls Auszeichnungen zurückgeben, die sie von Polen erhalten hätten. Auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha hatte die Rückgabe einer Auszeichnung angekündigt. Am Abend erklärte zudem der ukrainische Ex-Präsident Leonid Kutschma nach Medienberichten seinen Verzicht auf den Orden des Weißen Adlers, den er 1997 erhalten hatte.

Hintergrund des Streits: UPA-Einheit und historische Gräuel

Hintergrund des Streits ist die Benennung einer ukrainischen Armee-Einheit nach der im Zweiten Weltkrieg berüchtigten Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) durch Selenskyj Ende Mai. Die UPA war in den Vierzigerjahren der militärische Arm der OUN, der Partei ukrainischer Nationalisten. Zwischen 1943 und 1945 töteten UPA-Mitglieder bis zu 100.000 ethnische Polen in der Region Wolhynien. In ihrem Kampf für die ukrainische Unabhängigkeit von der Sowjetunion kollaborierten OUN und UPA im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit Hitlerdeutschland.

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In der heutigen Ukraine werden die Mitglieder von OUN und UPA als Helden verehrt, während ihre Taten in Polen als Völkermord eingestuft werden. Selenskyj schrieb auf X: „Wir hatten damals geglaubt, dass der 2023 verliehene Orden des Weißen Adlers dem ukrainischen Volk und der Armee galt.“ So sei es damals erklärt worden. Er verstehe, dass der Orden des Weißen Adlers eine besondere Ehrung darstelle. „Es ist ein Symbol des höchsten Vertrauens der Republik Polen.“ Ein derartiges Symbol brauche Verdienst, aber auch Respekt für die Werte, die die Basis der Gesellschaft formen. „Wenn daher die Ansicht besteht, dass dieses besondere Symbol bei (Zarin) Katharina II., bei (Italiens Diktator) Benito Mussolini und (Ex-Bundeskanzler) Gerhard Schröder verbleiben darf, dann haben wir dem in der Ukraine nichts entgegenzusetzen.“

Versöhnliche Töne und Kritik an Nawrockis Schritt

Selenskyj zeigte sich zugleich versöhnlich. Die Ukraine werde weiterhin offen sein „für alle sinnvollen Formate der Zusammenarbeit“, um widersprüchliche Auslegungen der schwierigen und schmerzhaften Kapitel der gemeinsamen Vergangenheit zu vermeiden. Botschafter Bodnar bezeichnete Nawrockis Schritt als eine „Geste, die sich gegen das gesamte ukrainische Volk richtet“. Budanow erklärte, die Aberkennung von Selenskyjs Weißer-Adler-Orden komme Russland zugute. „Das ist ein Geschenk für den Moskauer Aggressor, der es mit Sicherheit gegen unsere beiden Länder einsetzen wird“, erklärte er in Onlinediensten.

Moskau begrüßte die Entscheidung. „Endlich“ sei Selenskyj der Orden aberkannt worden, erklärte der ehemalige russische Präsident Dmitrij Medwedew auf X. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hatte Nawrocki und Selenskyj am Freitag zur Mäßigung aufgerufen. „Der Konflikt zwischen Polen und der Ukraine freut (Kremlchef Wladimir) Putin und schockiert unsere Verbündeten“, schrieb er bei X. Der Streit eskaliert knapp eine Woche vor einer Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine im polnischen Danzig.

Orden des Weißen Adlers: Symbol der Freundschaft

Selenskyj hatte die höchste Auszeichnung Polens 2023 von Nawrockis Vorgänger Andrzej Duda verliehen bekommen, um die Freundschaft zwischen Polen und der Ukraine angesichts der russischen Aggression gegen Kyjiw zu unterstreichen. Ex-Präsident Kutschma gab sich überzeugt, dass dieser „unfreundliche Schritt“ von Präsident Nawrocki die Freundschaft der beiden Länder nicht zunichtemachen könne.

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