Rentenreform durchgesickert: Rente mit 70 ab den 2090er-Jahren geplant
Rentenreform: Rente mit 70 ab den 2090er-Jahren

Die Rentenkommission plant weitreichende Änderungen der gesetzlichen Rentenversicherung. Laut einem Bericht der „Bild am Sonntag“ (BamS) soll das Renteneintrittsalter ab 2032 an die erwartete Steigerung der Lebenserwartung gekoppelt werden. Langfristig würde dies bedeuten, dass ab den 2090er-Jahren die Rente mit 70 gilt. Das gesamte Reformpaket soll am Dienstag vorgestellt werden.

Schrittweise Anhebung des Rentenalters

Nach Informationen der BamS soll die Altersgrenze nur langsam verschoben werden: Ab 2042 steigt das Eintrittsalter alle zehn Jahre um ein halbes Jahr. Gegen Ende dieses Jahrhunderts wäre dann die Rente mit 70 erreicht. Damit würden erst Kinder, die jetzt in die Schule kommen, wirklich bis 70 Jahre arbeiten müssen. Frühverrentungen nach 45 Beitragsjahren sollen hingegen abgeschafft werden. Nur wer aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten kann, soll leichter in Rente gehen können.

Kapitalrente soll Rentenniveau auf 50 Prozent steigern

Die Kommission schlägt außerdem vor, das künftige Rentenniveau durch die Einführung einer Kapitalrente auf 50 Prozent zu steigern. Ein Teil der Rentenbeiträge soll am Aktienmarkt angelegt werden. In diese Kapitalsäule fließt zunächst ein Prozent vom Bruttolohn (0,5 Prozent Arbeitnehmeranteil, 0,5 Prozent Arbeitgeberanteil). Später steigt der Beitrag auf zwei Prozent (ein Prozent Arbeitnehmer, ein Prozent Arbeitgeber). Eine verpflichtende Betriebsrente kommt vorerst nicht, da sie laut Expertenmeinung bürokratischer wäre als die Kapitalrente innerhalb der Rentenversicherung.

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Nachhaltigkeitsfaktor soll wieder eingeführt werden

Die Kommission schlägt zudem vor, den Nachhaltigkeitsfaktor wieder einzuführen, der die jährliche Rentensteigerung an die Entwicklung der Beitragszahler anpasst. Das dämpft künftige Beitragssteigerungen, führt aber auch zu geringeren jährlichen Rentensteigerungen. Das Modell sieht vor, dass bei Rentenbeginn das Rentenniveau von 48 Prozent gilt. Durch den Nachhaltigkeitsfaktor sinkt das Niveau im Laufe der Rentenbezugsjahre. Dieses Minus soll durch die neue Kapitalrente aufgefangen werden. Nach Prognosen der Kommission soll ab 2040 das Gesamtniveau der Rentenversicherung (Umlage- und Kapitalsäule) auf 50 Prozent bis 2050 steigen. Davon profitierten die heute jüngeren und mittelalten Arbeitnehmer.

Größere Rentenkasse: Auch Abgeordnete und Selbstständige sollen einzahlen

Künftig sollen auch Politiker in die Rentenkasse einzahlen müssen. Die Rentenkommission will die Zahl der Versicherten vergrößern: Abgeordnete aus dem Bundestag und den Landtagen, Selbstständige und Vorstandsvorsitzende von Aktiengesellschaften sollen in die Rentenkasse einzahlen. Beamte bleiben vorläufig außen vor. Außerdem spricht sich die Kommission für die Abschaffung der von Rentenbeiträgen befreiten Minijobs aus. Künftig dürfen nur noch Schüler für bis zu 603 Euro Monatsverdienst jobben. Alle anderen müssen eine Stelle mit Renteneinzahlung annehmen. Damit soll vor allem die Altersarmut von Frauen bekämpft werden.

Hintergrund und Zeitplan

Die 13-köpfige Kommission zur Alterssicherung hatte seit Januar für die Reform des deutschen Rentensystems beraten, dessen Finanzierbarkeit durch den demografischen Wandel vor großen Herausforderungen steht. Die Übergabe ihres Berichts an die Regierung erfolgt am Dienstagvormittag (9.00 Uhr) im Kanzleramt, wie der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer sagte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) wollen demnach danach vor die Presse treten. Die beiden Vorsitzenden der Kommission, Frank-Jürgen Weise und Constanze Janda, würden dann ihrerseits in einer eigenen Pressekonferenz über Details der Vorschläge informieren.

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