Der Rücktritt von Keir Starmer als britischer Premierminister markiert den sechsten Regierungschefwechsel in Großbritannien seit dem Brexit-Referendum 2016. In einer Kolumne für den SPIEGEL zieht Sabine Rennefanz Parallelen zwischen der politischen Entwicklung im Vereinigten Königreich und der Situation in Deutschland. Sie bezeichnet die Briten als „die deutschen Ossis“ und warnt, dass der Niedergang des Landes auch eine Mahnung für deutsche Wähler sein sollte.
Sechs Premiers in zehn Jahren
Seit dem Brexit-Votum haben die Briten David Cameron, Theresa May, Boris Johnson, Liz Truss, Rishi Sunak und nun Keir Starmer als Premierminister erlebt. Keiner von ihnen konnte das Land politisch stabilisieren oder die wirtschaftlichen Folgen des Brexit abfedern. Die Inflation in Großbritannien liegt weiterhin über dem EU-Durchschnitt, und das Wirtschaftswachstum bleibt hinter den Erwartungen zurück. „Der Brexit hat das Land gespalten und geschwächt“, schreibt Rennefanz. „Die ständigen Führungswechsel sind ein Symptom dieser tiefen Krise.“
Die Warnung für Deutschland
Rennefanz vergleicht die Entwicklung in Großbritannien mit der Stimmung in Ostdeutschland. „Die Briten fühlen sich ähnlich abgehängt wie viele Menschen in den neuen Bundesländern“, heißt es in der Kolumne. „Populisten wie Nigel Farage nutzen diese Unzufriedenheit geschickt aus.“ Farage, der nach Starmers Rücktritt als möglicher Nachfolger gehandelt wird, könnte die Brexit-Bewegung wiederbeleben. Die Autorin appelliert an deutsche Wähler, aus den britischen Fehlern zu lernen und sich nicht von einfachen Lösungen blenden zu lassen.
Wirtschaftliche Folgen des Brexit
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexit sind laut Rennefanz verheerend. Der britische Außenhandel ist eingebrochen, Investitionen sind zurückgegangen, und viele Unternehmen haben ihren Sitz in die EU verlegt. „Die Versprechungen der Brexit-Befürworter haben sich nicht erfüllt“, stellt die Kolumnistin fest. „Stattdessen erlebt das Land eine beispiellose politische Instabilität.“ Sie fordert eine sachliche Debatte über die EU-Mitgliedschaft Deutschlands und warnt vor den Gefahren des Populismus.
Fazit
Die Kolumne endet mit einem Appell an die Vernunft: „Deutschland sollte aus den britischen Erfahrungen lernen und die EU nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.“ Der Rücktritt Starmers sei ein weiteres Kapitel in der Tragödie des Brexit, das als Warnung für Europa dienen müsse.



