DDR-Mode zwischen Kreativität und Planwirtschaft: Ein Revival im Meyenburger Museum
Die Begeisterung war anfangs groß: Dederon-Anzüge versprachen praktische Vorteile, denn sie mussten nicht gebügelt werden. Doch die Ernüchterung folgte schnell, wie Barbara Schrödl, die Leiterin des Meyenburger Modemuseums, erklärt: "Man hat sehr stark darin geschwitzt", sagt sie über eines ihrer Ausstellungsstücke vom ehemaligen Berliner "VEB Herrenbekleidung Fortschritt". Dieser braune Anzug mit schwarzen Streifen und einem knallorangefarbenen Hemd ist Teil der neuen Sonderausstellung "Chic nach Plan & individuelle Eleganz", die noch bis Ende Juni zu sehen ist.
Die Spannung zwischen Design und Produktion
Das Modemuseum präsentiert anhand von 50 Kleidungsstücken und Design-Entwürfen die Bekleidungskultur der DDR. Diese steht im Spannungsfeld zwischen den innovativen Ideen der Kreativen im Mode-Institut und der harten Realität der sozialistischen Staatsproduktion. DDR-Kleidung sollte primär zweckmäßig und kostengünstig sein, doch die Menschen, insbesondere Frauen, wie Schrödl betont, sehnten sich nach Individualität und Glanz. Die Ausstellung zeigt diese Gegensätze deutlich: von einfacher Fabrikware für Arbeit, Kinder und Erwachsene über aufwendiger produzierte Stücke für Spezialgeschäfte bis hin zu kunstvoll genähten Einzelstücken.
Eltern und Großeltern können ihren Kindern und Enkeln im Original demonstrieren, was sie früher trugen, und beweisen, dass DDR-Mode weit mehr war als graue Gleichförmigkeit. Sinnbildlich dafür stehen nebeneinander ein blaues Standard-FDJ-Hemd und ein Jeanshemd mit FDJ-Aufnäher am Ärmel, das einen eigenen Willen ausdrücken sollte. Besondere Highlights sind Kleider aus Plauener Spitze und Werke von Ute Peters, einer 90-jährigen DDR-Designerin, die dem Museum diese Stücke geschenkt hat.
Not macht erfinderisch: Das Fensterleder-Kleid
Ein Kleid aus Fensterlederlappen gehört zu den Höhepunkten der Ausstellung. Es entstand aus der Not heraus, da ohne besondere Beziehungen kein Leder verfügbar war. Dieses Stück symbolisiert die erfinderische Anpassungsfähigkeit der DDR-Bürger. Die Museumsleiterin erklärt, wie die Mode funktionierte: Designerinnen des Modeinstitutes orientierten sich an internationalen Trends wie der Pariser Mode, bereicherten diese aber mit eigenen Ideen. Doch in den Herstellerbetrieben wurden die Entwürfe oft stark vereinfacht, um Kosten zu sparen.
"Zwar lieferte das Modeinstitut anspruchsvolle Entwürfe, doch wurden sie in der Massenproduktion stark vereinfacht", sagt Schrödl. Stoffe wurden dünner oder nur einfach vernäht, immer mit dem Ziel, Material zu sparen. Die Ausstellung zeigt auch Kleider aus den "Exquisit"-Läden, die aufwendiger verarbeitet und teurer waren, da sie ohne Subventionen verkauft wurden. Während Fabrikware oft unter zehn Mark kostete, konnten Exquisit-Stücke über 100 Mark kosten.
Besondere Stücke und lokale Schneiderkunst
Zu den einzigartigen Exponaten gehören zwei Teile aus dem Modeinstitut, die nie in den Handel gelangten, sowie das bereits erwähnte Fensterleder-Kleid. Weitere Leihgaben demonstrieren, wie lokale Schneiderinnen die Mode umsetzten. Besonders hoch subventioniert war die Kindermode, was ebenfalls in der Ausstellung thematisiert wird. Die Schau bietet, wie Schrödl formuliert, einen "repräsentativen Einblick in die Bekleidungspraxis, die Mode und die Ästhetik der DDR".
Die Ausstellung läuft bis zum 28. Juni. Geöffnet ist das Museum im Schloss Meyenburg dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen jeweils von 11 bis 17 Uhr. Am 31. März bleibt das Museum geschlossen. Ein Besuch lohnt sich, um die faszinierende Geschichte der DDR-Mode zwischen kreativem Anspruch und planwirtschaftlichen Zwängen hautnah zu erleben.



