Liebe Leserin, lieber Leser,
haben Sie diesen Text gerade auf Ihrem Smartphone aufgerufen? Dann freue ich mich sehr über Ihre Aufmerksamkeit. Ich möchte Sie aber auch warnen. Das Gerät ist ein Zeitkiller; für Sie und Ihre Kinder, wenn Sie welche haben. Für die geben Sie durch unentwegtes Starren auf das Mobilgerät ein schlechtes Vorbild ab.
Das kann schlimme Folgen haben, wie die Hamburger Kinder- und Jugendpsychiaterin Kerstin Paschke meinem Kollegen Maik Großekathöfer im Interview erklärte. Paschke behandelt junge Menschen, die abhängig von sozialen Medien sind.
„Wenn Eltern ins Handy gucken, sobald sie sich langweilen, aufregen oder sich ablenken wollen“, sagt sie, „ist es wahrscheinlicher, dass auch die Kinder mithilfe von Medienkonsum ihre Gefühle steuern, statt mit den Eltern zu besprechen, was sie bewegt.“
Für mich als Mutter von zwei Teenagern sagt Paschke aber auch beruhigende Dinge. Ich muss nicht auf meine tägliche Duolingo-Lektion verzichten, damit meine Kinder nicht in die Sucht abrutschen. Ich muss ihren Medienkonsum auch nicht Tag und Nacht überwachen.
Denn die Störung entstehe durch ein Zusammenspiel persönlicher Faktoren, erklärt die Wissenschaftlerin, von äußeren Einflüssen und dem Suchtmittel: „Das Suchtmittel allein reicht nicht aus, sonst würde jeder Nutzer und jede Nutzerin von sozialen Medien abhängig.“
Wie Eltern ein beginnendes Suchtverhalten rechtzeitig erkennen können und wie Expertin Paschke die politische Debatte über ein Social-Media-Verbot einschätzt, können Sie hier nachlesen.
Hier finden Sie den Erfahrungsbericht eines Jugendlichen, der seine Social-Media-Abhängigkeit überwunden hat.
Herzlich,
Ihre Julia Koch
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Bild der Woche
Mehr als 750.000 Tulpen stehen Anfang dieser Woche auf den Tulleys Tulip Fields bei St Albans in der südenglischen Grafschaft Hertfordshire in voller Blüte. Das Blumenmeer zeigt nur einen kleinen Ausschnitt einer gewaltigen Vielfalt: Durch Züchtungen sind aus Wildarten der Gattung Tulipa, so lautet der botanische Name, im Laufe der Zeit Tausende sogenannte Sorten hervorgegangen. Es gibt die Liliengewächse in allen denkbaren Farben außer Blau; sie sind mehrfarbig oder haben ausgefranste Blütenblätter. Einige Arten der Wildtulpe allerdings, Vorläufer der beliebten Zierpflanzen, sind vom Aussterben bedroht.



