Zürich-»Tatort«: Gewalt und Flüchtlingsdrama scheitern an Plot-Pannen
Zürich-»Tatort«: Gewalt und Flüchtlingsdrama scheitern

Der jüngste Zürich-»Tatort« mit dem Titel «Könige der Nacht» sorgt für gemischte Gefühle. Der Krimi versucht, ein Plädoyer für die Schwächsten der Gesellschaft zu sein, scheitert jedoch an zahlreichen logischen Brüchen und einer überzeichneten Darstellung von Gut und Böse. Das Ergebnis ist ein Film, der selbst wohlwollende Zuschauer vergrault.

Die Handlung: Ein brutaler Mord und eine Zeugin in Not

Ein mazedonischer Stricher wird auf einer Party von reichen Jugendlichen so schwer misshandelt, dass er an seinem Blut erstickt. Eine äthiopische Pizzafahrerin, die in jener Nacht eine Lieferung in die Wohnung bringt, wird zur Zielscheibe der Mörder. Da sie keine Papiere besitzt, kann sie nicht zur Polizei gehen. Die Ermittlerinnen Grandjean (Anna Pieri Zuercher) und Ott (Carol Schuler) nehmen sich des Falls an, versprechen Hilfe, die sie letztlich nicht garantieren können.

Stilistische Anleihen bei Kubrick

Der Krimi leiht sich Elemente aus Stanley Kubricks «Uhrwerk Orange». Der Täter, der später gefasst wird, führt sich mit Tanz und Verbeugung auf wie Malcolm McDowell in dem Kultfilm von 1971. Doch die Verbindung zwischen dem bizarren Gewaltexzess und dem ernsten Flüchtlingsdrama gelingt nicht. Der Plot wechselt unvermittelt zwischen Menschenverachtung und Menschenliebe, was die Spannung schnell verpuffen lässt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Starke schauspielerische Leistungen

Nambitha Ben-Mazwi als Geflüchtete Moya Alemu ist der Lichtblick des Films. Die südafrikanische Schauspielerin, in ihrer Heimat ein Fernsehstar, spielt würdevoll und überzeugend, trotz der Schwächen des Drehbuchs. Sie verleiht ihrer Figur Tiefe und Glaubwürdigkeit.

Ein starkes Bild: Die Leiche wie gemalt

Ein visuell beeindruckender Moment ist die Bergung der Leiche des Strichers aus dem Wasser. Die Beine des Toten sind grazil übereinandergeschlagen, wie auf einem Renaissancegemälde. Dieses Bild bleibt im Gedächtnis, kann aber nicht über die Mängel der Handlung hinwegtrösten.

Fazit: Gut gemeint, aber schlecht gemacht

Der «Tatort: Könige der Nacht» erhält 3 von 10 Punkten. Er will Partei für die Schwächsten ergreifen, treibt mit seiner holzschnittartigen Darstellung von Arm und Reich jedoch auch die Wohlmeinendsten in die Flucht. Der nächste neue ARD-Sonntagskrimi läuft erst im September – eine willkommene Sommerpause.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration