Selbsthilfegruppe Krebs: Beate Näther kehrt nach Brustkrebs zurück ins Leben
Selbsthilfe Krebs: Beate Näther zurück im Leben

Beate Näther ist ein aktiver Mensch: Sie wandert gern, trainiert zweimal pro Woche im Fitnessstudio, achtet auf bewusste Ernährung und arbeitet im Garten. Doch vor mehr als 13 Jahren traf sie die Diagnose Brustkrebs schwer. „Die ersten Knötchen habe ich selbst ertastet, dann ging alles ganz schnell“, erinnert sich die 65-Jährige. Sie suchte ihren Frauenarzt auf, ließ Mammografie und Radiologie durchführen und wurde schließlich im Brustzentrum Gera behandelt. „Die ersten vier Wochen hatte ich mit der Diagnose schwer zu kämpfen, danach wollte ich alles wissen und fragte meinem Arzt Löcher in den Bauch“, erzählt sie heute. Es folgten 16 Chemotherapie-Behandlungen mit allen Begleiterscheinungen wie emotionalen Tiefs und Haarausfall.

Aus dem Berufsleben gerissen

Mit Mitte 50 wurde Beate Näther aus ihrem Berufsleben gerissen. 78 Wochen war sie krankgeschrieben. Zuvor hatte sie 37 Jahre in einem großen Energieunternehmen im kaufmännischen Bereich gearbeitet. „Ich suchte nach den Behandlungen nach einer neuen Aufgabe, die meinem Leben wieder einen Sinn gab“, sagt sie. Im Jahr 2016 fand sie zur Selbsthilfegruppe „Frauen nach Brustkrebs“ im Burgenlandkreis. Die Gruppe hat ihren Sitz in Weißenfels und zählt 22 Mitglieder. Bereits zwei Jahre später wurde sie zur Kassiererin gewählt und übernahm kurze Zeit später im Landesverband Sachsen-Anhalt das Amt der Kassenprüferin. Rund 50 Mal im Jahr ist sie in diesem Ehrenamt unterwegs – von Treffen der Selbsthilfegruppe über Kongresse bis zu Patiententagen. „Ich verspürte damals den großen Wunsch, mich mit gleichermaßen Betroffenen auszutauschen und von den Erfahrungen der anderen zu lernen“, erklärt die 65-Jährige.

Langzeitüberlebende und geheilt

Heute gilt Beate Näther als „Langzeitüberlebende“ und ist geheilt. „Mir ist es ein Bedürfnis zu helfen. Das tut mir gut und den anderen“, sagt sie. Ihr Credo: Es helfe nicht, die Folgen der Erkrankung zu ignorieren. Stattdessen müssten Patienten ihr Leben selbst wieder in die Hand nehmen und sich Hilfe suchen. Aus diesem Grund engagiert sie sich in der Selbsthilfegruppe. Dabei geht es nicht nur um die Bewältigung der Krankheit, sondern auch um gemeinsames Erleben von Kultur, Sport, kreativer Gestaltung, Ausflüge, gegenseitigen Austausch und Informationen zum aktuellen Forschungsstand. Im vergangenen Jahr organisierte sie eine Wanderwoche in der Elsteraue. 20 Frauen wohnten eine Woche im Hotel Elsterblick in Tröglitz und erkundeten die Region von Zeitz bis Würchwitz, Kloster Posa bis zum japanischen Garten. „Das gemeinsame Wandern bietet Bewegung an frischer Luft, Gemeinschaft und vor allem psychische Stärkung nach einer Therapie“, betont Beate Näther.

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Neue Kraft in der Natur tanken

Der Austausch mit Gleichgesinnten in der Natur hilft, Kraft zu tanken, Ängste abzubauen und neue Lebensfreude zu gewinnen. Am Wochenende geht es wieder los: In diesem Jahr fährt die Selbsthilfegruppe ins Harzvorland und freut sich auf eine Wanderwoche. Die Frauen kommen aus ganz Sachsen-Anhalt. Zu Fuß geht es unter anderem zum Schloss Ballenstedt und Roseburg, in den Landschaftspark Degnershausen, nach Meisdorf und Falkenstein.

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Bundesweit 75.000 Neuerkrankungen jährlich

Die Frauenselbsthilfegruppe (FSH) Krebs Sachsen-Anhalt ist Teil eines bundesweiten Netzwerks. Bereits 1976 wurde die FSH Krebs in Mannheim gegründet. Mit über 75.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Nur ein Prozent der Fälle betrifft Männer. In Sachsen-Anhalt gibt es rund 1.500 Neuerkrankungen pro Jahr, wobei die Zahl mit dem Alter steigt. Das Durchschnittsalter der Erkrankten liegt bei 63 Jahren. Jede 20. Frau im Alter von 50 bis 69 Jahren erkrankt an Brustkrebs. Dank Mammografie und moderner Früherkennung steigen die Heilungschancen. Dennoch sterben jährlich etwa 18.500 Frauen daran, rund 530 davon in Sachsen-Anhalt. Heute ist die FSH eine der größten Krebs-Selbsthilfeorganisationen in Deutschland mit regionalen Gruppen, bundesweiten Online-Gruppen und Telefonberatung. „Freilich sind heutzutage viele Frauen digital unterwegs, informieren sich und nutzen Online-Plattformen. Mir sind die persönlichen Begegnungen sehr wertvoll, deshalb engagiere ich mich im Ehrenamt. Das bietet Aktivität, bringt Anerkennung, erzeugt Zufriedenheit und bereichert mein Leben“, sagt Beate Näther. Die Selbsthilfegruppe sucht ehrenamtliche Mitstreiter, die Teil dieser Gemeinschaft werden wollen. Weitere Informationen gibt es unter www.frauenselbsthilfe.de/Weissenfels.htm oder telefonisch unter 03443/89 86 407 bei Katrin Maasch.