HUK-Studie enthüllt: Über 35 Prozent meiden Bahn wegen chronischer Pannen
Studie: Über 35 Prozent meiden Bahn wegen Pannen

Verkehrsstudie offenbart massiven Vertrauensverlust bei der Bahn

Die chronischen Pannen und Verspätungen im deutschen Schienenverkehr hinterlassen deutliche Spuren in der öffentlichen Wahrnehmung. Laut der aktuellen Mobilitätsstudie der HUK Coburg vermeidet mehr als ein Drittel der Bevölkerung bewusst Bahnfahrten. Die repräsentative Umfrage zeigt einen signifikanten Vertrauensverlust in das einst als zuverlässig geltende Verkehrsmittel.

35 Prozent versuchen Bahnfahrten aktiv zu umgehen

Das Umfrageinstitut Yougov befragte im Januar und Februar 4.114 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Auftrag der HUK Coburg. Auf die Frage, ob sich Planungen für Bahnfahrten durch die verbreiteten Pünktlichkeitsprobleme verändert haben, antworteten 35 Prozent mit „Ich versuche Bahnfahrten wenn irgend möglich zu vermeiden“. Weitere 26 Prozent gaben an, wichtige Termine nicht mehr mit der Bahn zu planen, während 28 Prozent mittlerweile einen größeren Zeitpuffer kalkulieren.

Die Ergebnisse sind laut HUK Coburg repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 16 Jahren und gelten sowohl bundesweit als auch in jedem einzelnen Bundesland. Bemerkenswert ist, dass etwaige Auswirkungen des mit dem Iran-Krieg einhergehenden Anstiegs der Benzinpreise in der Umfrage nicht abgebildet sind, da die Erhebung vor diesen Entwicklungen stattfand.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Auto bleibt mit weitem Abstand beliebtestes Verkehrsmittel

Während die Bahn an Vertrauen verliert, behauptet das Auto seine dominante Position im deutschen Verkehrsmittelmix. Über drei Viertel (76 Prozent) der Befragten sagten, dass das Auto – unabhängig von der Art des Motors – auch in den nächsten fünf Jahren ihre Kriterien für die Wahl des Verkehrsmittels am besten erfüllen werde.

Der öffentliche Verkehr insgesamt schneidet in der Beliebtheitsskala deutlich schlechter ab: Nur 16 Prozent nannten die Bahn als bevorzugtes Verkehrsmittel, 13 Prozent Tram und S-Bahn, und lediglich 12 Prozent den Bus. Interessanterweise ist sogar das Fahrrad mit 16 Prozent genauso beliebt wie die Bahn und damit beliebter als der gesamte öffentliche Personennahverkehr.

Große Mehrheit fordert staatliche Verbesserungen

Trotz der aktuellen Unzufriedenheit mit dem öffentlichen Verkehr zeigt die Studie auch, dass die Bevölkerung grundsätzlich Verbesserungen befürwortet. Jeweils gut zwei Drittel der Befragten sprachen sich für kostenlosen Nahverkehr und eine höhere Taktung im Bus- und Bahnverkehr aus.

Diese Diskrepanz zwischen der aktuellen Vermeidungshaltung und der grundsätzlichen Unterstützung für bessere öffentliche Verkehrsmittel deutet auf ein latentes Potenzial für einen Modal Shift hin, sofern die Zuverlässigkeitsprobleme nachhaltig gelöst werden können. Die jährliche Mobilitätsstudie der HUK Coburg dokumentiert damit nicht nur aktuelle Verhaltensmuster, sondern auch Erwartungshaltungen an die Verkehrspolitik der kommenden Jahre.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration