Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) – Am Samstag liegt Timmy seit 26 Tagen in der Bucht von Poel bei Wismar – mehr als drei Wochen. Am Sonntag soll nun endlich der Versuch gestartet werden, den Buckelwal mithilfe eines Netzes in eine Schute zu ziehen. Dann soll Timmy seine Reise in den Atlantik antreten und wieder in die Freiheit entlassen werden. Aber: Ist er denn fit für den Ozean?
Experten zweifeln an Timmys Fitness
Walforscher Fabian Ritter ist da skeptisch. „Bei längerem Stillhalten oder auf Land liegen stellt sich relativ schnell etwas ein, was Myopathie genannt wird. Das ist eine Übersäuerung der Muskeln. Die führt dazu, dass das Gewebe und die Muskulatur überhaupt nicht mehr geschmeidig sind“, erklärt der Meeresbiologe Ritter im Interview mit BILD. So dürfe man Wale, die längere Zeit an Land gelegen haben, nicht einfach so „ins Meer schubsen“.
Wal nicht einfach zurück „ins Meer schubsen“
„Die werden dann üblicherweise noch Minuten, vielleicht eine halbe Stunde oder sogar noch länger einfach hochgehalten, weil sie nicht die Möglichkeit haben, sich jetzt frei zu bewegen. Sondern die haben Probleme, insbesondere mit der Muskulatur“, so Ritter. Auch Meeresbiologe Thilo Maack von Greenpeace hat große Zweifel, dass Timmy sich lange über Wasser halten kann: „Die Chancen, dass er in der Nordsee landet und dort frei schwimmt, sind gering.“
Wal-Sponsor: Dafür „Free Willy“-Crew geholt
Einer der Sponsoren der Wal-Rettung, Walter Gunz, entgegnete dem. Das sei im Rettungskonzept berücksichtigt. „Deswegen transportieren wir Timmy in einer Spezialschute, sodass er zunächst nicht selbst schwimmen muss. Dazu habe ich das Team von Experten vom Whale Sanctuary Project hinzugezogen. Die sind Profis, was die Auswilderung von Walen nach langer Gefangenschaft betrifft“, so der MediaMarkt-Gründer zu BILD. Ein Mitglied der Crew, Jeffrey Foster, war beim Auswilderungsprojekt des „Free-Willy“-Orca Keiko beteiligt. Leider starb das Tier während des Versuchs.
Kritik an der „Free Willy“-Crew
Ritter zu der „Free Willy“-Crew: „Im Grunde ist es ein Muss, dass das Profis sind, die da mit dem Wal Untersuchungen machen. Ich gehe mal davon aus, dass die wissen, was sie tun. Allerdings weisen die Profile dieser eingeflogenen Experten sie als Veterinärmediziner der Gefangenhaltung von Walen und Delfinen aus. Und das ist natürlich jetzt was anderes als Menschen, die Wildbiologen sind und mit Walen in freier Wildbahn umgehen.“ Dennoch geht Ritter davon aus, dass da jetzt verantwortungsvolleres Personal an Timmy dran ist. „Dass die Menschen das mit dem Wal sicher gut meinen, das muss man ihnen unterstellen, dass sie es professionell machen, das bleibt zu hoffen“, so der Wal-Experte.



