Auf dem Nordfriedhof in Halle (Saale) sorgt eine ungewöhnliche Grabstätte für Aufsehen. Passanten, die an einer großen Familiengrabstätte vorbeigehen, könnten erschrecken: Denn auf dem Grabstein stehen bereits die Namen zweier bekannter Hallenser – Erdmuthe und Rüdiger Fikentscher. Doch die beiden sind quicklebendig und lächeln über die Verwirrung.
Warum das Paar schon seinen Grabstein aufgestellt hat
Das Ehepaar hat sich bewusst dafür entschieden, die letzte Ruhestätte frühzeitig zu planen. „Wir wollen sicherstellen, dass alles so ist, wie wir es uns wünschen“, erklärt Rüdiger Fikentscher. Der Nordfriedhof, einer der schönsten Friedhöfe der Stadt, bot sich für das Paar als idealer Ort an. Die Grabplatte trägt bereits ihre Namen, doch das Datum fehlt noch – ein Zeichen dafür, dass das Leben weitergeht.
Ein Ort der Besinnung
Für Erdmuthe und Rüdiger Fikentscher ist der vorzeitige Grabstein keine makabre Geste, sondern eine Möglichkeit, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen. „Es ist beruhigend zu wissen, wo man einmal liegen wird“, sagt Erdmuthe Fikentscher. Die Grabstätte liegt inmitten von alten Bäumen und bietet eine ruhige Atmosphäre. Das Paar besucht den Ort regelmäßig, um dort zu verweilen und nachzudenken.
Die Entscheidung, den Grabstein bereits zu Lebzeiten aufzustellen, ist in Deutschland nicht alltäglich, wird aber zunehmend beliebter. Viele Menschen möchten ihre Bestattung selbst in die Hand nehmen und ihren Hinterbliebenen die Organisation ersparen. Das Paar aus Halle zeigt, dass dies auch mit einem Lächeln möglich ist – ganz ohne Angst vor dem Tod.



