Rund 300 Menschen mehr hätten jetzt vermutlich Sonnenbrand – wenn Röbels Bürgerpark nicht neuerdings überdacht wäre. So viele Einheimische und Gäste hatten sich nämlich bei wolkenlosem Himmel in dem Garten an der Müritz versammelt. Sie feierten den Auftakt der Tourismussaison und vor allem jenes Dach, das sie ab sofort bei Zusammenkünften jeder Art vor Sonne und Regen schützt.
Stahl und Membran: Die Konstruktion im Detail
15 Tonnen Stahl und eine 400 Quadratmeter große Membran – aus viel mehr besteht die Konstruktion nicht, die Architekt Michael Kiefer aus Radolfzell am Bodensee extra für Röbel entworfen hat. Trotzdem oder gerade deshalb wird sie jahrzehntelang halten, und sei der Sturm noch so heftig, die Schneelast noch so mächtig, versicherte Maik Schuldt aus Röbels Bauamt. Mittels Bohrpfahlgründung sei das Objekt im Erdboden verankert. Jeder der acht Stützpfeiler habe ein Fundament, in jedes Fundament wiederum seien drei Mikropfähle gebohrt und mit Beton gefüllt worden.
So zügig der Bau nach dreieinhalb Jahren Planung und Vorbereitung schließlich vonstatten ging – binnen vier Monaten war alles erledigt – so herausfordernd sei das Vorhaben gewesen. „So was haben wir in Röbel zum ersten Mal gebaut, und es wird wohl kein zweites Mal geben“, sagte Maik Schuldt.
Herausforderung beim Aufziehen der Plane
Allein das Aufziehen der Plane sei ein Abenteuer gewesen. Das textile Gewebe, zu einem Würfel zusammengelegt, der auf eine Europalette passte, habe schon oben auf dem Stahlgestänge gestanden, als auffiel, dass es im Werk falsch zusammengefaltet worden sein muss. „So wie es war, ließ es sich nicht auseinanderfalten, ohne herunterzufallen“, erklärte Maik Schuldt. Kurzerhand sei alles wieder vom Gerüst geholt und zum Kunstrasenplatz gebracht worden. Knapp 20 Leute von der Feuerwehr, dem Bauhof und aus dem Haus des Gastes hätten geholfen, die Membran auszubreiten, dieses Mal richtig herum zusammenzufalten und endlich aufs Dach zu spannen. Er sei zufrieden. Das Ergebnis gefalle ihm.
Bürger zeigen sich begeistert
Sehen das Röbels Bürger auch so, für die das immerhin 620.000 Euro teure Bauwerk schließlich gedacht ist? „Es erinnert mich an die Oper in Sydney oder an ein Segel“, sagte Christine Wernke nach der Eröffnungszeremonie am 1. Mai wohlwollend. „Wenn es noch wärmer wird oder regnet, werden wir erst richtig merken, wie gut das Dach ist“, vermutete Birgit Richter. Als „gelungen“ bewertete auch Eva Müller das Gebilde. Die drei Frauen überlegten, ob es nicht zu laut wird, wenn Regen aufs Material prasselt, gingen aber davon aus, dass man sich darüber wohl im Vorfeld Gedanken gemacht haben wird.
Lob von Bürgermeister und Staatssekretär
Röbels Bürgermeister Matthias Radtke (parteilos) hat jedenfalls keine Bedenken, dass irgendetwas an diesem Dach irgendwem nicht gefallen könnte. „Weißt du überhaupt, wie schön das Leben ist“, zitierte der 31-Jährige eine Zeile aus einem ihm offenbar bekannten Lied, wohl beschwingt angesichts der geglückten Überdachung. „Hier sieht man, wie gut Zusammenarbeit funktionieren kann, wenn alle ein Ziel haben und an einem Strang ziehen“, stellte der Kommunalpolitiker fest. Den Bauleuten sei genauso gedankt wie den Ideengebern aus dem Haus des Gastes, den Stadtvertretern, dem Bauamt, dem Architekten und vielen mehr. Bis hin zu den Mitgliedern der Leader-Aktionsgruppe des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, die 300.000 Euro aus dem EU-Topf nach Röbel navigierten, reichte der Dank des Rathaus-Chefs.
Aus Schwerin war Wirtschafts- und Tourismus-Staatssekretär Jochen Schulte nach Röbel gereist. „Gute Arbeit wird hier für alle sichtbar. Die Fertigstellung dieses Projekts in kurzer Zeit zeigt eindrucksvoll, was durch gemeinsames Engagement, schnelle Verfahren und gezielte Förderung erreicht werden kann. Das ist ein starkes Beispiel für regionale Wertschöpfung und zukunftsfähige touristische Infrastruktur“, sagte der Beamte, bevor er zusammen mit dem Bürgermeister und weiteren Akteuren das symbolische Band durchschnitt und Dach samt Freilichtbühne offiziell freigab.
Bis in den Abend hinein machten die Blaskapelle Röbel/Müritz 1983 und die Band Nimmergut Musik. Der Härtetest für die Überdachung blieb hingegen aus. Das Wetter zeigte sich von seiner mildesten Seite – kein Tropfen Regen, kein bisschen Sturm. Noch nicht.



