Ein gezielter Messerangriff auf jüdische Menschen im Londoner Stadtteil Golders Green hat für Entsetzen gesorgt. Wie die britische Polizei mitteilte, war der 45-jährige Angreifer, ein in Somalia geborener britischer Staatsbürger, bereits im Jahr 2020 im Rahmen des staatlichen Programms „Prevent“ zur Bekämpfung von Radikalisierung erfasst worden. Der Fall sei jedoch noch im selben Jahr abgeschlossen worden. Die Polizei ermittelt nun wegen eines mutmaßlichen Terrorakts.
Angriff am helllichten Tag
Der Täter ging am Mittwoch in Golders Green, einem traditionell jüdischen Viertel, gezielt auf jüdische Menschen los. Dabei wurden zwei jüdische Männer verletzt. Einsatzkräfte konnten den Angreifer mit einem Elektroschocker stoppen. Der Verdächtige habe versucht, auf die Beamten einzustechen, blieben diese jedoch unverletzt. In sozialen Medien kursierten nicht verifizierte Videos, die einen Angriff auf einen Mann mit Kippa an einer Bushaltestelle zeigten. Die beiden Opfer befinden sich in stabilem Zustand im Krankenhaus.
Ermittlungen und Hintergründe
Der Londoner Polizeichef Mark Rowley erklärte, der Verdächtige sei bereits in der Vergangenheit durch schwere Gewalttaten aufgefallen und leide unter psychischen Problemen. Er bezeichnete die Tat als „entsetzlichen Gewaltakt“ gegen die jüdische Gemeinde. Auch Premierminister Keir Starmer verurteilte den Angriff als „absolut entsetzlich“. Der britische Oberrabbiner Ephraim Mirvis forderte die Regierung auf, dem Hass mit mehr als nur Worten entgegenzutreten. Innenministerin Shabana Mahmood sprach von einem „abscheulichen“ Angriff.
Wachsende Spannungen in London
Der Messerangriff ereignete sich vor dem Hintergrund zunehmender Spannungen in den vergangenen Wochen. In London, insbesondere in Golders Green und in der Nähe der israelischen Botschaft, kam es zu mehreren Brandstiftungen an jüdischen Einrichtungen und Krankenwagen. Die Polizei nahm im vergangenen Monat mehr als zwei Dutzend Personen fest. Sicherheitskreisen zufolge wird bei den Brandanschlägen eine mögliche Verbindung zu Iran geprüft. Die proiranische Gruppierung Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiyya bekannte sich in den sozialen Medien zu den neuen Angriffen, wie sie es auch zu einigen der früheren Taten getan hatte.



