Fabians Vater bricht Schweigen und erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei
Fabians Vater erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei

Im Prozess um den Mord an dem achtjährigen Fabian aus Güstrow bleiben weiter entscheidende Fragen offen. Am zweiten Verhandlungstag wurden die Mutter und der Vater des Jungen als erste Zeugen angehört. „Wir haben jede Menge Fragen und wir wollen einfach nur die Wahrheit herausfinden“, sagte Richter Holger Schütt zu Beginn der Befragung des 27-jährigen Vaters, der als Metallbauer arbeitet. Zuvor hatte Schütt beiden Elternteilen, die seit Weihnachten 2018 getrennt leben, sein „tiefes Beileid“ ausgedrückt. Zu dieser Zeit war Fabian knapp zwei Jahre alt.

Vater lächelt Angeklagte an

Der erste Blick des Metallbauers im Gerichtssaal galt nicht Fabians Mutter, sondern der Angeklagten, mit der er vier Jahre lang eine feste Beziehung hatte. „Ich habe aber keine Idee, wer das mit Fabian gewesen sein könnte“, sagte der Zeuge direkt auf die Frage des Richters. Er habe nicht einmal gewusst, dass Fabian an jenem Freitag, dem 10. Oktober 2025, allein zu Hause war. Zudem sei er „extrem enttäuscht“ von der Arbeit der Polizei. Auf die Frage des Richters, warum, entgegnete der Metallbauer: „Wissen Sie, wie das ist, wenn man nicht mal persönlich gesagt bekommt, dass das eigene Kind getötet wurde?“ Er habe dies erst aus den Medien erfahren müssen. Der Richter zeigte Verständnis.

Kompliziertes Beziehungsgeflecht

Die Befragung der Eltern und die vielen Chatnachrichten zwischen allen Beteiligten ergaben ein äußerst kompliziertes Beziehungsgeflecht. Am 10. Oktober 2025 starb der achtjährige Junge an einem kleinen Wasserloch nahe Klein Upahl im Landkreis Rostock. Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-jährigen Angeklagten vor, den Jungen mit sechs Messerstichen umgebracht zu haben. Es sei Mord „aus Heimtücke und niederen Beweggründen“. Die schlanke Frau, die vor Gericht schweigt, soll Fabian unter einem Vorwand aus der Wohnung der Mutter in Güstrow abgeholt und an dem Wasserloch getötet haben. Der Junge war wegen Kopfschmerzen allein zu Hause, die Mutter war arbeiten. Die Leiche wurde erst vier Tage nach der Vermisstenanzeige gefunden. Laut Staatsanwaltschaft stand der Junge der Beziehung der 30-jährigen Hobbypferdehalterin zu dem Vater im Weg.

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Vater erinnert sich an glückliche Zeiten

Fabians Mutter hatte den Metallbauer 2015 in Güstrow näher kennengelernt, man kannte sich aus der Schulzeit. „Das war eine tolle Zeit“, erinnerte sich der Vater. Im März 2017 wurde Fabian geboren. „Er war ein Wunschkind von Beiden“, sagte die Mutter. Sie habe keine Angst gehabt, den Jungen mit dem Vater allein zu lassen. Auch der Vater sprach mit Hochachtung von dem Jungen: „Er wäre am liebsten bei uns immerzu Rasentraktor gefahren.“ Doch nach der Geburt habe sich der Vater verändert, so die Mutter. Er habe mehr Alkohol getrunken, sei Feiern gegangen, ohne etwas zu sagen. Einmal habe er in einem Streit eine Tür kaputt gemacht. Sie trennte sich Ende 2018 von ihm. „Für mich war das überraschend“, sagte der Vater.

Danach war der Junge anfangs regelmäßig bei ihm auf dem Dorf. Die Wechselbetreuung war nötig, weil die Mutter im Schichtbetrieb arbeitete. Etwa 2021 lernte der Vater die Angeklagte kennen. 2023 war die Einschulung Fabians. Dieser wollte den Vater nicht dabei haben, erinnerte sich die Mutter. „Ich war sehr enttäuscht, dass ich da nicht dabei sein durfte“, sagte der Vater. Seine damalige Freundin, die jetzige Angeklagte, hatte Chatkontakt mit Fabians Mutter.

Fabian spielte mit Sohn der Angeklagten

Etwa Mitte 2024 wollte der Junge plötzlich nicht mehr zum Vater und dessen neuer Frau. Als die Mutter nachfragte, sagte er: „Ich habe gesehen, wie Papa die Frau gehauen hat.“ „Das stimmt, da war was“, sagte der Mann, aber es sei eher ein Schubsen gewesen. Fabians Mutter änderte daraufhin ihren Arbeitsrhythmus, um den Jungen allein betreuen zu können. Der Kontakt zum Vater brach ab. Die Angeklagte sprang in die Lücke, sie holte Fabian manchmal ab und unternahm mit ihm und ihrem eigenen Sohn Ausflüge, noch Anfang August 2025.

Über die Großeltern entstand langsam wieder Kontakt zwischen Vater und Fabian. Der Metallbauer trennte sich im August 2025, zwei Monate vor dem Mord, von der Angeklagten. Er zeigte wachsendes Interesse an seinem Sohn. „Ich habe wieder mehr Zeit, da nun Gina nicht mehr über mein Leben bestimmt“, schrieb er der Mutter von Fabian. Gina H. wollte dies anscheinend nicht akzeptieren.

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Vater: Polizei ignorierte Hinweis auf Tatwaffe

Laut Staatsanwaltschaft schrieb der Mann der Angeklagten am 9. Oktober, einen Tag vor dem Verschwinden Fabians, dass er die Beziehung nicht wieder aufleben lassen wolle. Diese Trennung soll ein Grund für die Tat gewesen sein. Die Verteidiger der Frau bestreiten, dass sie den Jungen getötet hat. Es gebe keine eindeutigen Beweise, so Anwalt Andreas Ohm. Eine Tatwaffe wurde bisher nicht gefunden. „Das hätte schon geklärt sein können“, behauptete Fabians Vater. Ein Bekannter habe ein Messer in einem Müllbehälter in Güstrow entdeckt, das infrage kommen könnte. Diesem Hinweis sei die Polizei nicht nachgegangen.

Für Verdacht sorgte das Verhalten der Angeklagten nach der Tat. Sie will nur durch Zufall an dem einsamen Ort Fabians Leichnam gefunden haben, als sie mit einem Hund spazieren war. In einer Sprachnachricht an ihre Friseuse hatte sie vorher gesagt, dass mit Fabian „früher oder später mal was passieren musste.“ Es würde sie nicht wundern, „wenn der weggelaufen wäre.“

Vater hatte Lebensversicherung auf Fabian abgeschlossen

Am Donnerstag wurde bekannt, dass der Vater eine Lebensversicherung und die Mutter eine Unfallversicherung auf den Jungen abgeschlossen hatten. Beide zahlten jeweils eine vierstellige Summe. Die Mutter erklärte, sie habe keinen Kontakt mehr zum Vater. Sie könne nicht verstehen, dass er wieder auf Feiern gehen könne und die Angeklagte im Gefängnis besuche.

Schon am Vormittag hatte Richter Schütt die Anhörung unterbrechen müssen, als die Mutter in Tränen ausbrach und die Angeklagte fragte: „Gina, ich kann das nicht verstehen...“ Der Richter ordnete eine Pause an. Danach gab es keine weiteren Störungen. Die Mutter beschrieb Fabian als einen „kuschelbedürftigen, zuverlässigen Jungen“, der gern im Jugendklub war. Zu seinem achten Geburtstag bekam er ein Handy. Am 9. Oktober holte sie ihn wegen Nasenblutens und Kopfschmerzen früher von der Schule ab. Deshalb blieb er am 10. Oktober allein zu Hause. „Als ich um 15.15 Uhr zu Hause war, war niemand da.“ Unklar blieb, warum Fabian ohne sein Handy und Geldbörse weggegangen war. Der Prozess wird am 5. Mai fortgesetzt.