Drogen und Handys in Gefängnissen: Deutlicher Anstieg in Sachsen-Anhalt
Ein besorgniserregender Trend zeichnet sich in den Gefängnissen Sachsen-Anhalts ab: Bei Kontrollen wurden im vergangenen Jahr Betäubungsmittel mit einem Gesamtgewicht von fast 1,1 Kilogramm sowie 66 Mobiltelefone sichergestellt. Diese Zahlen, die das Justizministerium in Magdeburg auf Anfrage mitteilte, markieren einen deutlichen Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren und werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen im Justizvollzug.
Drogenfunde: Steigerung um mehr als das Dreifache
Insgesamt gab es 2025 genau 106 Fälle von Drogenfunden in den Haftanstalten des Landes. Damit setzt sich ein besorgniserregender Trend fort: Bereits 2024 waren in 71 Fällen zusammen 330 Gramm Betäubungsmittel sichergestellt worden, 2023 lag die Menge bei 245 Gramm in 54 Fällen. Die sichergestellte Drogenmenge hat sich somit innerhalb von zwei Jahren mehr als verdreifacht.
Laut Ministerium handelte es sich bei den Funden hauptsächlich um Cannabis sowie synthetische Cannabinoide. Eine besondere Herausforderung stellen dabei sogenannte neue psychoaktive Substanzen dar, die auf Papier aufgebracht werden. Diese Substanzen sind besonders schwer nachzuweisen und erfordern spezielle Untersuchungsmethoden.
Moderne Technologie im Einsatz
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hatte das Land bereits 2024 einen speziellen Ionenscanner angeschafft, der genau diese psychoaktiven Substanzen nachweisen kann. „Der Einsatz hat sich bewährt: Bei einer Vielzahl von aufgefundenen Asservaten konnten Spuren synthetischer Cannabinoide festgestellt werden“, erklärte ein Ministeriumssprecher. Die Investition in moderne Technologie zeigt somit erste Erfolge bei der Identifizierung der illegalen Substanzen.
Mobiltelefone: Fast doppelt so viele Funde
Parallel zu den Drogenfunden ist auch die Zahl sichergestellter Mobiltelefone in den Gefängnissen deutlich angestiegen. Waren es 2024 noch 36 Geräte, so wurden 2025 bereits 66 Handys bei den Insassen entdeckt. Dies entspricht einer Steigerung von über 80 Prozent.
Die Mobilfunkgeräte werden bei verschiedenen Kontrollmaßnahmen aufgefunden:
- Haftraumkontrollen
- Kontrollen von Nebengelassen
- Paketkontrollen
- Kontrollen von Lieferfahrzeugen
- Bei der Rückkehr von Gefangenen nach Vollzugsöffnenden Maßnahmen
- Besuchskontrollen
Die Vielzahl der Fundorte zeigt, wie kreativ die Gefangenen bei der Beschaffung und dem Verstecken der verbotenen Geräte vorgehen.
Gewalt in den Gefängnissen: Gemischtes Bild
Das Klima in den Haftanstalten bleibt angespannt. Im vergangenen Jahr wurden laut Justizministerium 14 Angriffe von Gefangenen auf Bedienstete registriert – ein leichter Anstieg gegenüber den 11 Fällen im Jahr 2024. Bei den Angriffen unter Gefangenen zeigt sich hingegen eine positive Entwicklung: Waren es 2024 noch 110 Übergriffe, so sank diese Zahl 2025 auf 84 Fälle.
Zum Jahresende 2025 waren in den Gefängnissen Sachsen-Anhalts insgesamt 1.415 Menschen untergebracht. Dem standen 1.044 Bedienstete gegenüber, darunter 62 Anwärterinnen und Anwärter. Diese Zahlen verdeutlichen die personellen Herausforderungen, vor denen der Justizvollzug steht.
Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass die Sicherheitsmaßnahmen in den Gefängnissen kontinuierlich angepasst werden müssen. Während moderne Scannertechnologie bei der Drogenbekämpfung erste Erfolge zeigt, bleibt die Kontrolle von Mobiltelefonen eine anhaltende Herausforderung. Die leicht gestiegene Zahl der Angriffe auf Bedienstete unterstreicht zudem die Notwendigkeit, die Sicherheit des Personals weiter zu verbessern.



