Antisemitische Schmierereien erschüttern Prenzlauer Berg
Ein besonders widerlicher Fall von Judenfeindlichkeit hat den Berliner Bezirk Prenzlauer Berg in Aufregung versetzt. In der Nacht zum Samstag, den 12. April 2026, beschmierten bislang unbekannte Täter die Fassade eines Mehrfamilienhauses in einer ruhigen Seitenstraße mit menschenverachtenden Parolen. Neben einem deutlich erkennbaren Hakenkreuz prangte der englischsprachige Aufruf "Kill all jews" (Tötet alle Juden) an der Hauswand.
Anwohner entdecken und dokumentieren die Tat
Der genaue Zeitpunkt der Straftat konnte zunächst nicht ermittelt werden, doch bereits in den frühen Morgenstunden des Samstags wurden die schockierenden Schmierereien entdeckt. Die Instagram-Seite "jewsofberlin" veröffentlichte umgehend den Beitrag eines anonymen Anwohners, der die Situation fotografisch festhielt und seine Empörung zum Ausdruck brachte. "Ich bin absolut wütend und erschüttert. Heute Morgen um 3 Uhr kam ich nach Hause und fand dieses schreckliche Graffiti an meiner Hauswand", schrieb der Betroffene in englischer Sprache. In seinem Post rief er eindringlich zum Engagement gegen Antisemitismus auf: "Hass wie dieser entsteht nicht aus dem Nichts. Wir alle haben die Verantwortung, unsere Stimme zu erheben."
Staatsschutz übernimmt die Ermittlungen
Nachdem eine besorgte Bürgerin am Samstagmittag die Polizei alarmiert hatte, bestätigte eine Sprecherin der Berliner Polizei gegenüber Medien: "Wir haben Schriftzug und Hakenkreuz festgestellt, der Staatsschutz wird weitere Hintergründe der Tat ermitteln." Die Behörden verwiesen zudem auf die Möglichkeit, derartige Vorfälle bei der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) zu melden, die judenfeindliche Taten bundesweit systematisch erfasst.
Warum ausgerechnet dieses Wohnhaus zum Ziel der Attacke wurde, bleibt vorerst unklar. Eine Anwohnerin äußerte gegenüber Reportern ihre Bestürzung: "Als ich in unserer Nachbarschaftsgruppe davon gelesen habe, war ich geschockt. Wir fragen uns natürlich, aus welcher Richtung das kommt." Der Vorfall reiht sich ein in eine besorgniserregende Serie antisemitischer Straftaten in Deutschland. Erst in der Nacht zuvor war ein israelisches Restaurant in München attackiert worden.
Zivilcourage der Nachbarschaft
Bereits am Sonntag waren die widerlichen Schmierereien nicht mehr zu sehen. Engagierte Bürgerinnen und Bürger aus der Nachbarschaft hatten eigeninitiativ gehandelt und die Hassbotschaften übersprüht. Anstelle des Hakenkreuzes und des Mordaufrufs zieren nun zwei große, silbrig-blaue Herzen die Hauswand. Dieser Akt der Zivilcourage ist jedoch rechtlich nicht unproblematisch: Wer Graffiti ohne ausdrückliche Zustimmung des Eigentümers übermalt, begeht formal eine Sachbeschädigung gemäß Paragraph 303 des Strafgesetzbuches – selbst wenn es sich dabei um die Beseitigung verfassungsfeindlicher Symbole handelt.
Die Berliner Behörden betonen die Bedeutung von Wachsamkeit und Meldung solcher Vorfälle, während die betroffene Nachbarschaft zwischen Erleichterung über die schnelle Beseitigung und anhaltender Sorge über das Ausmaß des Antisemitismus schwankt.



