Ehrenamt im Saalekreis: „Man kann nicht nur rumsitzen und nichts tun“
Ehrenamt im Saalekreis: Teichaerin für Bürgerpreis nominiert

Für einen Moment herrscht Stille am Telefon. „Nominiert? Das Interview hat doch schon stattgefunden.“ Andrea Uhlenhaut klingt überrascht – und ein wenig verwirrt. Während die Mitteldeutsche Zeitung eigentlich nur einen Termin vereinbaren will, erfährt sie ganz nebenbei, dass ihr Name auf der Liste für den Ehrenamtspreis „Esel, der auf Rosen geht“ steht.

Dabei hatte sie gerade erst einen anderen Verein vorgeschlagen – die Mentor-Leselernhelfer aus Merseburg. Nun ist sie selbst nominiert und damit vielleicht die einzige Kandidatin, die der Konkurrenz ein wenig fester die Daumen drückt als sich selbst.

Überraschende Nominierung: Ortsbürgermeister schlägt Einwohnerin vor

„Andrea Uhlenhaut ist eine engagierte Persönlichkeit und ein Vorbild für unsere Region“, schreibt Ortsbürgermeister Steffen Schulze in seiner Begründung. Er war es, der überzeugt war, dass Uhlenhaut den Preis verdient.

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Engagiert ist die 65-Jährige seit vielen Jahren. „Ich brauche einfach eine sinnvolle Beschäftigung und kann nicht nur stillsitzen“, sagt sie. Als sie 2001 nach Teicha zog, besuchte sie bald die ersten Veranstaltungen der damaligen Siedlergemeinschaft Petersberg. „Ich habe meine Hilfe angeboten, falls sie gebraucht wird.“ Nur kurze Zeit später wurde sie Mitglied.

Uhlenhaut brachte zahlreiche Veranstaltungen nach Teicha

Sie begann, Veranstaltungen, Tagesfahrten und Vereinsfeste zu organisieren, und übernahm 2015 schließlich die Leitung des Bereichs. Den Verein gibt es heute nicht mehr – ihr Engagement hingegen schon. Im Heimatverein lebt es weiter, und auch darüber hinaus.

„Sie pflegt mehrere Grünflächen in der Gemeinde und setzt sich stark für Nachhaltigkeit und Umweltschutz ein“, heißt es in Schulzes Begründung. Angefangen habe alles mit einem Rosenbeet, das von Unkraut überwuchert war. „Ich bin oft daran vorbeigekommen und fand es schade, dass man die Rosen gar nicht mehr sah.“ Ohne lange zu zögern, griff sie ein – und machte das Beet wieder sichtbar.

Unkraut jäten ist für mich Entspannung

Dabei blieb es nicht. Im Götschepark befreite sie nach und nach einen zugewucherten Bereich am Bach von Brennnesseln und Brombeeren, schnitt tote Äste zurück und schuf neue Strukturen. „Ich achte darauf, dass Rückzugsorte für Tiere bleiben, aber manches muss einfach raus.“ Auf der Fläche entstand ein Blühstreifen, auch eine neue Bank organisierte sie.

Unkrautjäten ist für sie Entspannung. Damit es nicht zu viel wird, stellt sie sich einen Timer von etwa anderthalb Stunden täglich. „Wenn die Zeit um ist, höre ich auf. Zu Hause wartet ja auch noch ein Garten.“

Merseburger Lesepaten haben Uhlenhaut inspiriert

Seit drei Jahren im Ruhestand, hat sie mehr Zeit für ihr Ehrenamt. Auf der Suche nach neuen Aufgaben stieß sie auf die Lesepaten in Merseburg – und wollte deren Idee in den nördlichen Saalekreis tragen.

Heute liest sie einmal wöchentlich im Sennewitzer Hort und einmal im Monat in der Grundschule Teicha vor. Zudem begleitet sie zwei Kinder als Lesepatin und unterstützt sie beim Lesenlernen. „Das ist ein so wichtiges Thema – und es ist schön, die Fortschritte zu sehen.“

Esel-Nominierte hat viele Ideen für Teichas Zukunft

Sich selbst in den Vordergrund zu stellen, liegt ihr fern. „Ich mache die Arbeit, weil sie mir Spaß macht. Man kann sich doch nicht einfach nur hinsetzen und nichts tun!“ Viele der Arbeiten gelingen auch nur gemeinsam, sagt sie. Ideen für weitere Projekte hat sie bereits – ob sie sich umsetzen lassen, hängt auch von Fördermitteln ab. Vielleicht ist es aber gerade diese Haltung, die ihr Engagement auszeichnet: nicht auf große Gesten zu warten, sondern dort anzufangen, wo etwas zu tun ist.

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