Mit einem stillen Gedenken hat die Landeshauptstadt Schwerin auch in diesem Jahr an Marianne Grunthal erinnert. Die 49-jährige Lehrerin aus Zehdenick in Brandenburg wurde am 2. Mai 1945 auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof von SS-Männern ermordet. Sie war kurz vor Kriegsende mit einem Flüchtlingstreck nach Schwerin gelangt und hatte sich über die Nachricht vom Tod Adolf Hitlers gefreut: „Gott sei Dank, dann gibt es Frieden!“ Diese Äußerung wurde ihr zum Verhängnis. Die NS-Kreisleitung verhaftete sie und verurteilte sie zum Tode.
Kranzniederlegung am Gedenkstein
Stadtpräsident Sebastian Ehlers und Vize-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum (beide CDU) legten Blumen an dem Gedenkstein neben dem Bahnhofsgebäude nieder. An der Zeremonie nahmen auch Vertreter von Parteien sowie Ex-Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) teil. Die Ehrung ist laut Ehlers ein wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur in Schwerin. Wenige Stunden vor dem Einzug der US-amerikanischen Truppen wurde Grunthal ein letztes Opfer nationalsozialistischer Gewalt und Verblendung.
Gedenkort mit Geschichte
Der Bahnhofsvorplatz, an dem die Hinrichtung stattfand, erhielt bereits zwei Jahre nach der Tat den Namen Grunthalplatz. Damit wird das Andenken an die Lehrerin wachgehalten. Im vergangenen Jahr, zum 80. Todestag, hatten auch Angehörige der Ermordeten an dem Gedenken teilgenommen. Karen Grunthal, eine Großnichte, betonte damals: „Viele Schicksale sind heute vergessen.“ Sie zeigte sich dankbar, dass in Schwerin jedes Jahr an ihre Großtante erinnert werde.
Die stille Gedenkfeier unterstreicht die Bedeutung der historischen Aufarbeitung und mahnt, die Opfer des Nationalsozialismus nicht zu vergessen. Die Stadt Schwerin setzt damit ein Zeichen gegen das Vergessen und für den Frieden.



