Im Fall der 21-jährigen Maria, die am 13. Juni auf der sogenannten Skelettbrücke in Limeira (Brasilien) ohne Bungee-Seil 40 Meter in den Tod stürzte, sucht die Polizei nun eine mysteriöse Zeugin. Eine Kamera, die das Geschehen dokumentiert haben könnte, ist spurlos verschwunden – und die Ermittler vermuten, dass die verantwortlichen Mitarbeiter sie beiseitegeschafft haben könnten.
Zeugin mit kurzen Haaren gesucht
„Es handelt sich um eine Frau mit kurzen Haaren, die kurz vor dem Opfer sprang und nach dem Unfall in der Nähe des Brückenfundaments blieb. Sie könnte Zeugin von Tatsachen gewesen sein, die für die Aufklärung des Falls relevant sind“, sagte die Polizei laut dem brasilianischen Portal „Metropoles“. Die Identifizierung dieser Frau sei für den Fortgang der Ermittlungen von großer Bedeutung, da neue Zeugenaussagen und ausgewertete Bilder widersprüchliche Angaben darüber liefern, wer die Kamera vom Tatort entfernt haben könnte.
Angeklagte streiten Wissen um Kamera ab
Die drei Hauptverdächtigen – Luis Felipe Feliciano Egoroff (32), Maicon Fernandes Cintra (42) und Vitor de Freitas Gonçalves (27) – waren für Marias Sicherheit verantwortlich und wurden kurz nach der Tat festgenommen. Sie sind inzwischen wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Nach Auffassung der Ermittler nahmen sie den Tod von Maria billigend in Kauf, als sie sie ohne gesichertes Seil springen ließen. Laut Polizei gaben die Angeklagten an, nicht zu wissen, wo sich die Kamera befindet.
Weitere Festnahmen und Aussagen
Am 20. Juni wurden drei weitere Personen – Evelyne dos Santos Gonçalves, João Antônio Pivetta da Silva und Gabriel Barros Martins – vorübergehend festgenommen. Sie waren für die Organisation der Teilnehmer zuständig. Evelyne dos Santos Gonçalves sagte bei der Polizei aus, sie habe die Teilnehmer lediglich registriert und sei nicht unmittelbar bei den Sprüngen dabeigewesen. Über den Moment, als Maria in den Tod stürzte, sagte sie: „Ich saß gerade da, füllte etwas aus und empfing jemanden. (...) Dann hörte ich auch den Lärm. Ich hörte das ‚Oh mein Gott‘ und Lärm.“ Sie sei aufgestanden und habe realisiert, was vorgefallen sei. Sie bestreitet, dass ihre Kollegen vom Tatort geflohen seien.
Marias letzte Momente
Ein Zeuge gab laut „Metropoles“ an, dass Maria kurz vor dem Sprung ruhig gewirkt und sogar gelächelt habe. Offenbar fühlte sie sich sicher und hatte keinerlei Bedenken. Ein Experte warnt unterdessen: Die Tragödie begann schon viel früher als auf der Brücke. Chris Batte, seit mehr als 30 Jahren im Bungee-Sport tätig, sagte gegenüber der „New York Post“: „Die offensichtlichen Anzeichen wären meiner Meinung nach: Wird es wie ein Unternehmen geführt? Ist es professionell organisiert? (...) Wenn es keine Person gibt, die die Führung übernimmt, und eine weitere, die als Backup fungiert, ist das ein deutliches Warnsignal.“
Brücke soll gesprengt werden
Die Brücke, an der Maria starb, soll laut Willen des Bürgermeisters von Limeira gesprengt werden. Die Polizei hofft, die mysteriöse Zeugin noch vor der Sprengung zu identifizieren, um den Fall endgültig aufklären zu können.



