Das Istanbuler Gericht Caglayan hat vier von sechs Angeklagten im Prozess um den Tod einer vierköpfigen Familie aus Hamburg schuldig gesprochen und hohe Haftstrafen verhängt. Die Familie war im November während eines Türkeiurlaubs mit Insektiziden vergiftet worden. Der Betreiber des Hotels wurde zu 13 Jahren und 4 Monaten Haft verurteilt, der Inhaber der Schädlingsbekämpfungsfirma sowie dessen Sohn erhielten jeweils 18 Jahre Haft. Ein Mitarbeiter der Firma wurde zu 12 Jahren und 2 Monaten verurteilt. Die beiden angeklagten Rezeptionisten wurden freigesprochen.
Urteil wegen bewusster fahrlässiger Tötung
Der Richter begründete das Urteil mit „bewusster fahrlässiger Tötung“. Der Anwalt der Familie, Yasar Balci, hatte eine Bestrafung wegen vorsätzlicher Tötung gefordert, während die Verteidigung auf Freispruch plädierte. Der Bruder des verstorbenen Vaters äußerte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass er die 18-jährige Haftstrafe als „gerechte Strafe“ empfinde. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; die Verurteilten können Berufung einlegen.
Hintergrund der Vergiftung
Vater, Mutter und ihre zwei kleinen Kinder aus Hamburg waren Mitte November im Istanbul-Urlaub mit Symptomen wie Erbrechen und Übelkeit ins Krankenhaus eingeliefert worden und gestorben. Zunächst vermuteten die Behörden eine Lebensmittelvergiftung. Ein späteres Gutachten stellte jedoch fest, dass die Todesursache eine Vergiftung durch ein im Hotel verwendetes Insektizid zur Schädlingsbekämpfung war.



