Berlin schwitzt unter einer extremen Hitzewelle, die am Wochenende Temperaturen von bis zu 41 Grad erreichen soll. Die Folgen sind bereits deutlich spürbar: In vielen Baumärkten und Elektronikmärkten der Hauptstadt sind Ventilatoren, mobile Klimageräte und Luftkühler ausverkauft. Eine Suche bei Bauhaus ergab für fast alle Berliner Filialen den Status „Nicht verfügbar“. Auch bei MediaMarkt und Saturn ist der beliebte Standventilator von Philips für 79 Euro nicht mehr erhältlich.
Nachfrage übersteigt Angebot
Die hohe Nachfrage nach Kühlgeräten übersteigt das Angebot bei weitem. Ein MediaMarkt-Sprecher erklärte: „Die anhaltende Hitzeperiode führt derzeit zu einer überdurchschnittlich hohen Nachfrage nach Ventilatoren und Klimageräten. Wir gehen auch für die nächsten Wochen davon aus, dass das Interesse hoch bleiben wird. Da die Kapazitäten der Hersteller grundsätzlich begrenzt sind und wir daher sowohl für unsere Märkte als auch für unsere Onlineshops nur begrenzt nachordern können, empfehlen wir, die Anschaffung zeitnah anzugehen.“ Auch Bauhaus bestätigte „eingeschränkte Bestände“ und „längere Lieferzeiten“. Ein Hornbach-Sprecher wurde noch deutlicher: „Jedes Jahr steigt die Nachfrage. Der erste Schwung an Geräten ist weg. Die Geräte kommen fast alle aus China.“ Kurzfristige Nachlieferungen seien daher schwierig.
Gesundheitliche Auswirkungen und Vorsorgemaßnahmen
Die Hitze fordert bereits ihren Tribut. Die Vivantes-Kliniken in Berlin verzeichneten einen moderaten Anstieg hitzebedingter Notfälle, vor allem ältere Menschen mit Flüssigkeitsmangel und vereinzelt Sonnenstiche. Auch in Kinderrettungsstellen gab es mehr Fälle, darunter Kopfschmerzen, Fieberkrämpfe und Hitzschläge. Kleinkinder seien besonders gefährdet, da ihre relative Kopfgröße im Vergleich zum Körper groß ist. Die Kliniken erwarten am Wochenende einen weiteren moderaten Anstieg, haben die Schichten in den Notaufnahmen jedoch nicht verstärkt.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner warnte eindringlich vor den Gefahren der Hitze: „Passen Sie auf sich auf und auch auf Ihre Mitmenschen!“ Besonders gefährdet seien ältere Menschen, Kleinkinder, Schwangere, Menschen mit Vorerkrankungen und Obdachlose. Er verwies auf über 240 Trinkbrunnen in der Stadt und die „Kühle-Orte-Karte“.
Absagen und Einschränkungen im öffentlichen Leben
Zahlreiche Veranstaltungen wurden abgesagt oder eingeschränkt. Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin sagte alle Veranstaltungen in der Amerika-Gedenkbibliothek ab, da bereits morgens Temperaturen von über 30 Grad gemessen wurden. Direktor Jonas Fansa kritisierte: „Bibliotheken sollten stets sichere und gut zugängliche öffentliche Aufenthaltsorte sein. Dass wir genau das gerade mal wieder nicht anbieten können, zeigt, wie dringend Berlin ein Bibliotheksgebäude braucht, das auf der Höhe der Zeit ist.“
Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sagte ihren Sommer-Empfang ab, und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten schließt am Wochenende bereits um 13 Uhr. Auch der Bezirk Mitte schließt mehrere Kultureinrichtungen, darunter den Bärenzwinger und die Galerie Wedding. Die Stadtbibliothek Lichtenberg bleibt am Samstag ganztägig geschlossen.
Schulen reagieren mit hitzefrei
Immer mehr Schulen gewähren hitzefrei oder verkürzten Unterricht. Betroffen sind unter anderem die Grundschule an der Victoriastadt, das Schadow-Gymnasium und die Moabiter Grundschule. Die Eichendorff-Grundschule in Charlottenburg hob die Schulpflicht komplett auf, bietet aber eine Betreuung an.
Kühlung in der U-Bahn und an Seen
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) setzen am Wochenende längere U-Bahnen ein, um die Fahrgäste zu entlasten, und verteilen Wasser an Fahrer. Der U-Bahnhof Brandenburger Tor (U5) liegt 17 Meter unter der Erde und bietet mit 24,5 Grad eine willkommene Abkühlung. Die Berliner Seen heizen sich auf: Der Wannsee hat 25,6 Grad, der Tegeler See 25,9 Grad. Eine Erfrischung bietet die Havel in Spandau mit 22,6 Grad.
Wasserverbrauch und Bäder
Die Berliner Wasserbetriebe meldeten einen Spitzenverbrauch von 49 Millionen Litern pro Stunde am Donnerstagabend. Die Berliner Bäderbetriebe rechnen am Wochenende mit bis zu 100.000 Gästen in den 14 Sommerbädern und dem Strandbad Wannsee. Das Sommerbad Mariendorf ist wegen eines Stromausfalls geschlossen.
Anpassungen bei Veranstaltungen
Trotz der Hitze finden einige Veranstaltungen statt. Die Berliner Philharmoniker lockern für ihr Saisonabschlusskonzert in der Waldbühne die Kleiderordnung: Die Herren treten ohne Jackett auf, die Damen mit kurzen Ärmeln. Besucher dürfen einen Liter alkoholfreie Getränke mitbringen. Auch die Konditorei Fester in Spandau feiert ihr 100-jähriges Jubiläum, bietet aber verstärkt Wasser und Eiskaffee an. Die Freilichtbühne Spandau hält an ihren Veranstaltungen fest, bittet aber um Verständnis für fehlende Rückerstattungen bei Absagen.



