Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist an der Ostsee im Einsatz. Zwei Rettungsschwimmer, Moritz Rehder und Moritz Pollehn, geben im Interview Einblicke in ihren Alltag. Sie berichten von den häufigsten Einsätzen, den Gefahren durch Strömungen und erklären, warum eine Dose Rasierschaum am Strand nie fehlen sollte.
Häufige Einsätze: Von Pflastern bis zur Familienzusammenführung
Moritz Rehder erklärt, dass die Einsätze sehr unterschiedlich sind: „An kleinen Stationen haben wir vielleicht ein- bis zweimal pro Woche einen Einsatz, an größeren können es auch 15 sein.“ Meistens handele es sich jedoch um kleinere Erste-Hilfe-Leistungen. „Mal braucht jemand ein Pflaster, hat einen Insektenstich oder ein Kind wird gesucht. Wir machen sehr viele Familienzusammenführungen.“ Auch Schnittverletzungen durch Muscheln und Kontakt mit Feuerquallen kommen häufig vor. Dagegen hilft Rasierschaum: „Er wird auf die verletzte Stelle aufgetragen und, wenn er getrocknet ist, abgespachtelt“, so Rehder.
Wasserrettungen bei gutem Wetter besonders häufig
Wasserrettungen kommen an größeren Stationen bei gutem Wetter etwa zwei- bis dreimal pro Woche vor. Moritz Pollehn erklärt: „Bei Hitze neigen die Leute eher dazu, die Umstände zu ignorieren. Da ist manchen die Abkühlung wichtiger als die Sicherheit.“ Bei gutem Wetter seien einfach mehr Menschen am Strand, was die Zahl der Unfälle erhöhe.
Kinder in Gefahr: Eltern sollten aufpassen
Besonders gefährdet sind Kinder. Rehder betont: „Kinder sollten nie unbeobachtet an der Wasserkante spielen. Manche Eltern hängen leider gerne am Handy, während die Kinder beschäftigt sind.“ Pollehn ergänzt: „Bei Kindern mit Seepferdchen-Abzeichen denken manche Eltern, das Kind könne sicher schwimmen. Aber es macht einen großen Unterschied, ob die Kinder in einem ruhigen 25-Meter-Becken oder im offenen Meer unterwegs sind. Im Meer brauchen sie schneller Hilfe.“
Strömungen an der Ostsee: Parallelströmungen am häufigsten
Starke Strömungen sind in den Badegebieten der Ostsee eher selten. Am häufigsten treten Parallelströmungen auf, die parallel zum Strand verlaufen und einen nicht aufs Meer hinausziehen. Pollehn rät: „Grundsätzlich Ruhe bewahren und nicht dagegen anschwimmen. Vor dem Baden sollte man sich einen markanten Punkt am Strand als Fixpunkt nehmen – am besten ein großes Gebäude, keinen Strandkorb.“
Flaggen als Warnsystem: Was die Farben bedeuten
Rehder empfiehlt, auf die Flaggen zu achten: „Die rot-gelbe Flagge heißt, dass wir im Dienst sind – alles in Ordnung. Gelbe Flagge: Nur noch geübte Schwimmer. Gelbe Flagge mit orangenem Windsack: Wegen ablandigen Windes keine aufblasbaren Spielzeuge und Luftmatratzen nutzen. Bei roter Flagge sind die Bedingungen lebensgefährlich. Da sollte niemand mehr ins Wasser gehen.“
Ehrenamtliche Arbeit: Respekt vor dem Meer
Die DLRG arbeitet grundsätzlich ehrenamtlich. Rehder lacht: „Selbst die Kleidung müssen wir uns selbst kaufen.“ Pollehn fügt hinzu: „Viele Leute sagen im Vorbeigehen: ‚Euren Job hätte ich auch gerne.‘ Aber wenn man ihnen dann erzählt, dass man das ehrenamtlich macht, sind sie schnell raus.“ Um mitzumachen, benötigt man das Rettungsschwimmabzeichen in Silber, einen Erste-Hilfe-Kurs (nicht älter als zwei Jahre) und muss mindestens 16 Jahre alt sein.



