Hundehalter kennen das Gefühl: Manchmal scheint der Vierbeiner schon am Klang der Stimme zu verstehen, was gemeint ist. Eine neue Studie deutet darauf hin, dass tatsächlich etwas dran sein könnte – selbst dann, wenn gar keine verständlichen Worte fallen. Forscher um Anna Gábor und Attila Andics von der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest untersuchten, ob Hunde allein anhand der Stimme erkennen können, ob sie zu einer Handlung ermutigt oder davon abgehalten werden sollen.
Test mit einer einzigen Silbe
An der Studie nahmen 52 Mensch-Hund-Paare teil, berichtete PETBOOK. Die Besitzer durften keine Kommandos oder bekannten Wörter verwenden. Stattdessen kommunizierten sie ausschließlich mit der bedeutungslosen Silbe „Bü“. Variieren durften sie nur Tonfall, Lautstärke und Betonung.
Getestet wurden vier Situationen: Die Hunde sollten entweder zum Kommen oder Weggehen ermutigt werden („Okay, du darfst“) oder von einer Handlung abgehalten werden („Lass das“). Die Aufforderungen bezogen sich dabei entweder auf den Besitzer selbst („hier“) oder auf einen anderen Ort („dort“). Zusätzlich gab es eine Kontrollgruppe, in der die Aufgaben ohne stimmliche Signale durchgeführt wurden. Die Forscher analysierten anschließend die Aufnahmen und untersuchten Merkmale wie Tonhöhe, Lautstärke und Dauer der Laute.
Deutliche Unterschiede im Klang
Die Hunde reagierten häufiger wie beabsichtigt, wenn ihre Besitzer die Silbe „Bü“ einsetzten, als in der Kontrollgruppe ohne Lautäußerungen. Das spricht dafür, dass die Stimme wichtige Informationen transportierte.
Auch die Auswertung der Aufnahmen zeigte klare Muster. Ein statistisches Verfahren konnte ermutigende und ablehnende Botschaften mit einer Trefferquote von 77 Prozent unterscheiden – deutlich besser als durch Zufall. Ermutigende Signale klangen typischerweise etwas höher, kürzer und gleichmäßiger als ablehnende. Diese Unterschiede zeigten sich unabhängig davon, ob Männer oder Frauen sprachen.
Nicht alle Fragen beantwortet
Die Studie liefert Hinweise darauf, dass Hunde grundlegende Botschaften wie „Ja/Okay, du darfst“ und „Nein/Lass das“ allein über den Klang der Stimme unterscheiden können. Weniger eindeutig war das Ergebnis bei Informationen wie „hier“ oder „dort“. Die Versuchsanordnung könnte die Aufmerksamkeit der Hunde zusätzlich beeinflusst haben.
Außerdem verwendeten die Forscher ausschließlich die Silbe „Bü“. Ob dieselben Muster auch bei anderen Lauten oder in anderen Situationen auftreten, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Die Ergebnisse legen nahe, dass Menschen selbst ohne Worte wichtige Botschaften vermitteln können – und dass unsere Haustiere erstaunlich gut darin sind, diese Signale zu verstehen.



