Ein außergewöhnliches Hitzewochenende hat Brandenburg an seine Grenzen gebracht. Am Sonntag wurde in Neißemünde (Landkreis Oder-Spree) nach vorläufigen Angaben des Deutschen Wetterdienstes mit 41,7 Grad Celsius ein bundesweiter Hitzerekord aufgestellt. Damit wurde der erst am Vortag in Baruth gemessene Rekord von 40,8 Grad übertroffen. Vor diesem Wochenende lag der Brandenburger Rekord in Cottbus bei 38,9 Grad, gemessen am 19. Juni 2022.
Hitzebedingte Notfälle: Kreislaufprobleme auch bei Kindern
Die extremen Temperaturen führten zu zahlreichen medizinischen Notfällen. Feuerwehren und Rettungsdienste waren im Dauereinsatz. Das Ernst-von-Bergmann Klinikum in Potsdam registrierte am Samstag bis zum Abend drei Kinder und sieben Erwachsene, die wegen der Hitze behandelt werden mussten. „Die Alarmierungen gehen hintereinander weg“, sagte ein Sprecher der Leitstelle Nordwest. Oft handele es sich um Menschen mit Kreislaufproblemen, aber auch um ausgelöste Brandmeldeanlagen, Unfälle oder Feuer.
Auf der Autobahn 12 im Osten Brandenburgs versorgten Einsatzkräfte am Samstagmittag Menschen, die im Stau standen, mit Wasser und Essen, wie die Leitstelle Oderland berichtete. Bei einer Sportveranstaltung in der Uckermark wurden gleich mehrere Menschen mit Kreislaufproblemen versorgt.
Mehr als 600 Passagiere stranden im Zug
In einem Zug der tschechischen Bahn auf der Strecke von Hamburg nach Prag strandeten am Sonntag über 600 Passagiere ohne Klimaanlage in der Prignitz. Drei Menschen kamen mit Kreislaufproblemen ins Krankenhaus, wie Kreisbrandmeister Christian Reisinger mitteilte. Ein Baum war im Zuge eines Sturms am frühen Samstagabend auf eine Oberleitung gefallen, sodass der Zug seinen Fahrstrom verlor. Ohne Strom fiel auch die Klimaanlage aus, und die Türen blieben verschlossen. Die Einsatzkräfte öffneten die Türen, mussten dafür jedoch Bäume aus dem Weg sägen. Im Zug herrschten laut Reisinger mittlerweile etwa 40 Grad. Die Einsatzkräfte sichteten die rund 630 Passagiere.
Bereits am Samstagnachmittag strandeten in Gransee (Landkreis Oberhavel) Passagiere eines Regionalzuges. Die Menschen mussten zwei bis drei Stunden ohne Klimaanlage aushalten, bevor der technische Defekt behoben wurde und der Zug weiterfuhr, wie die Bundespolizei mitteilte. 70 Fahrgäste stiegen zwischenzeitlich auf offener Strecke aus.
Waldbrände an mehreren Orten
Die hohen Temperaturen und fehlenden Niederschläge begünstigten mehrere Waldbrände. An der Grenze zu Sachsen brannten in der Gohrischheide rund 16 Hektar. Der Waldbrand hatte sich am Samstagnachmittag entwickelt und schnell ausgebreitet. Erst vor einem Jahr hatte es in der Gohrischheide den größten Waldbrand seit Jahrzehnten in Sachsen gegeben. Die Lage war am Sonntagnachmittag nach Angaben der Feuerwehr noch angespannt.
Am Freitag war ein Feuer in Klein Woltersdorf (Landkreis Prignitz) ausgebrochen, wie der Waldbrandschutzbeauftragte Brandenburgs, Raimund Engel, mitteilte. Ein Feldbrand war auf einen Wald übergesprungen. Es waren mehr als 30 Hektar betroffen. Der Brand wurde mittlerweile gelöscht. In Gräben (Landkreis Potsdam-Mittelmark) geriet ein Stoppelfeld mit Großstrohballen in Brand und löste einen Waldbrand aus. Das Feuer brach am Samstagmittag an der Landesstraße 94 aus, wie die Polizeidirektion West mitteilte. Mehrere Hektar Feld und Wald standen in Flammen.
Am Sonntagnachmittag liefen noch immer Brandereignisse, sagte Engel. Einige Brände hätten die Einsatzkräfte das ganze Wochenende beschäftigt. Auch in der Gohrischheide hätten Brandenburger Einsatzkräfte mitgewirkt. „Die Summe machts.“ Die Polizei sprach am Sonntag von einer „übersichtlichen Einsatzlage“. Badetote seien nicht bekannt, sagte ein Sprecher der Polizei. Das Wetter habe zu „keinen größeren Folgen für die Polizei geführt“.
Straßenschäden auf der A2
Abgesehen von den hitzebedingten Einsätzen hatte die Polizei im Westen Brandenburgs auf der A2 bei Ziesar besonders viel zu tun. Mehrere Sperrungen sorgten auf der Autobahn für deutliche Einschränkungen und lange Staus. Grund waren massive Hitzeschäden auf der Fahrbahn. Die A2 gehe immer weiter kaputt, sagte ein Sprecher der Polizei. Der betroffene Streckenabschnitt bei Ziesar werde immer größer. Dadurch müsse „Anschlussstelle für Anschlussstelle“ gesperrt werden. Die Autobahnmeisterei besserte die Stellen aus. Einige Abschnitte wurden am Sonntag wieder freigegeben.



