Südkoreas enttäuschendes Vorrunden-Aus bei der Fußball-Weltmeisterschaft hat politische Konsequenzen. Präsident Lee Jae-myung ordnete eine gründliche Untersuchung an, nachdem die Mannschaft um Superstar Heung-Min Son bereits in der Gruppenphase gescheitert war. Trainer Hong Myung-bo erklärte umgehend seinen Rücktritt.
Präsident Lee: Ergebnis ist „absurd“
In einem ausführlichen Statement auf X (ehemals Twitter) schrieb Präsident Lee Jae-myung, er sei „angesichts dieses unerwarteten Ergebnisses nicht nur verblüfft, sondern empfinde es geradezu als absurd“. Das Scheitern habe bei den Bürgern große Enttäuschung ausgelöst. Lee richtete seine Kritik vor allem gegen den heimischen Fußballverband, der Trainer Hong Myung-bo erneut berufen hatte.
Der Präsident betonte, dass für die WM-Teilnahme „erhebliche Steuergelder und staatliche Ressourcen aufgewendet“ wurden. Er forderte das Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus auf, „die genaue Situation und die Ursachen dieser Angelegenheit gründlich zu analysieren und Maßnahmen zur Verhinderung einer Wiederholung sowie zur Verbesserung sorgfältig zu prüfen“.
Trainer Hong Myung-bo tritt zurück – erneutes Scheitern
Trainer Hong Myung-bo zog die ersten Konsequenzen und erklärte seinen Rücktritt, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete. Der 57-Jährige war bereits bei der WM 2014 als Nationaltrainer gescheitert, als die Mannschaft mit nur einem Punkt aus drei Spielen ausschied. Dennoch wurde er im Juli 2024 erneut zum Nationaltrainer ernannt. Nach dem erneuten Vorrunden-Aus richtete sich die größte Kritik gegen ihn.
Die südkoreanischen Medien reagierten scharf. Der „Korea Herald“ schrieb, das Aus reiße alte Wunden über Trainer Hong und die Verbandsführung wieder auf. Die „Korea Times“ zitierte Fans und Experten, die die Leistung als „schlechteste in der Geschichte des Fußballs“ verurteilten. Der ehemalige Nationalmannschaftskapitän Park Ji-sung sagte im Fernsehen: „Vielleicht haben wir das schon seit Jahren erwartet. Es ist bedauerlich, dass wir an diesem Punkt angelangt sind, an dem wir zurückblicken und uns fragen müssen, warum wir hier gelandet sind.“
Machbare Gruppe, aber nur drei Punkte
Südkorea hatte bei dem XXL-Turnier eine machbare Gruppe erwischt. Mit Mitgastgeber Mexiko, Südafrika und Tschechien spielten die Asiaten. Nach einem 2:1-Auftaktsieg gegen Tschechien verloren sie jedoch die folgenden Partien gegen Mexiko und Südafrika. Mit drei Punkten reichte es nur zum dritten Platz, der nicht für das Weiterkommen genügte.
Die politische Untersuchung soll nun klären, wie es zu dem erneuten Misserfolg kommen konnte und welche strukturellen Veränderungen nötig sind, um künftige Enttäuschungen zu vermeiden.



