Vier Tage nach den verheerenden Doppelbeben in Venezuela kämpfen Rettungskräfte gegen die Zeit. Die offizielle Zahl der Todesopfer liegt bei 1.430, mehr als 3.200 Menschen wurden verletzt und rund 50.000 gelten als vermisst. Papst Leo XIV. hat seine Anteilnahme ausgedrückt und für die Opfer gebetet.
Letzte Rettungen unter den Trümmern
Im Bundesstaat La Guaira gelang einem internationalen Suchteam am Sonntag die Bergung einer 60-jährigen Frau nach 86 Stunden unter den Trümmern, wie Präsident Nayib Bukele von El Salvador auf X mitteilte. Auch ein 11-jähriger Junge, Moisés Calzadilla, wurde nach einem sechsstündigen Einsatz eines kolumbianischen Teams lebend geborgen, wie die kolumbianische Katastrophenbehörde UNGRD in einem Video zeigte. Helfer zwängen sich durch schmale Spalten, um Babys, Kinder und Erwachsene zu retten.
Das Technische Hilfswerk (THW) aus Bonn hat seine Arbeit aufgenommen. Ein 48-köpfiges Team war in der Nacht zu Samstag in Caracas eingetroffen. „Einige THW-Kräfte arbeiten aktuell an einer Einsatzstelle, an der eine überlebende Person vermutet wird“, teilte das THW am Sonntag mit. Parallel laufe die Suche nach Verschütteten weiter.
Tragödie um Fußballspieler Lucas Trejo
Der argentinische Fußballspieler Lucas Trejo (38) verlor seine Frau und seine beiden Kinder (5 und 7 Jahre) bei den Beben. Der Spieler des Zweitligisten Sport Marítimo La Guaira hatte seit Mittwoch fieberhaft nach seiner Familie unter den Trümmern seines Wohngebäudes in Playa Grande gesucht. Am Samstag wurden sie tot aufgefunden, wie sein Verein bestätigte. Trejo spielte zuvor für Atromitos FC und in der venezolanischen Erstliga.
Papst Leo XIV. zeigt Solidarität
Papst Leo XIV. bekundete seine spirituelle Solidarität mit den Betroffenen. „Zu Gott für die ewige Ruhe der Verstorbenen betend, erneuere ich meine spirituelle Solidarität mit ihren Familien, den Verletzten und allen, die von dieser Tragödie erschüttert wurden“, schrieb er auf seinen X-Kanälen. Er dankte auch den Rettungskräften.
Kritisches Zeitfenster schließt sich
Die Chancen, noch Überlebende zu finden, sinken rapide. Experten gehen davon aus, dass die Überlebenschancen nach 72 Stunden stark abnehmen. Auf einem Internetportal für Vermisstenmeldungen gingen fast 79.000 Meldungen ein, rund 50.000 Menschen gelten weiterhin als vermisst. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Viele Angehörige warten verzweifelt auf Nachricht, da Strom und Mobilfunknetz noch nicht überall wiederhergestellt sind.
Internationale Hilfe und Schäden
Nach Angaben von Jorge Rodríguez sind 30.000 venezolanische Einsatzkräfte im Katastrophengebiet im Einsatz, darunter Mediziner und Psychologen. Zudem beteiligen sich mehr als 2.700 Rettungsexperten aus 24 Ländern. Die beiden Beben der Stärke 7,2 und 7,5 hatten am Mittwoch den Norden und das Zentrum Venezuelas erschüttert, es folgten 430 Nachbeben. Schwere Schäden gab es besonders in La Guaira mit dem internationalen Flughafen und dem wichtigsten Seehafen.
Verkehrsministerin Jacqueline Faría kündigte die teilweise Wiederaufnahme des Bahn- und U-Bahn-Betriebs ab Sonntag an. Mehr als 380 Wohnhäuser sowie 13 Krankenhäuser wurden zerstört oder schwer beschädigt, auch Einkaufszentren stürzten ein. Die medizinischen Einrichtungen seien überrannt, berichteten Journalisten.
Regierung verspricht Hilfe – Kritik an Versorgung
Delcy Rodríguez erklärte, man habe provisorische Unterkünfte und umfassende Betreuung bereitgestellt. Mehr als 70.000 Familien seien unterstützt worden. Doch Journalisten vor Ort widersprechen: Viele Familien blieben mit kleinen Kindern auf offener Straße, aus Angst vor weiteren Nachbeben. Die Regierungsangaben zur Versorgung decken sich nicht mit den Berichten aus den betroffenen Gebieten.



