Historischer Tiefstand bei Hochzeiten: 2025 nur 348.800 Eheschließungen
Historischer Tiefstand bei Hochzeiten 2025

Die Zahl der Hochzeiten in Deutschland ist im Jahr 2025 auf einen historischen Tiefstand gefallen. Laut dem Statistischen Bundesamt sagten 348.800 Paare „Ja“ – so wenige wie noch nie seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1950. Der bereits niedrige Wert aus dem Vorjahr wurde damit um 0,1 Prozent unterboten. Langfristig ist die Zahl der Eheschließungen rückläufig: Im Vergleich zu 2003 beträgt der Rückgang 8,9 Prozent.

Mehr Scheidungen, aber langfristiger Trend rückläufig

Im vergangenen Jahr wurden zudem etwas mehr Ehen geschieden: Rund 130.100 Ehen endeten durch richterlichen Beschluss, was einem Anstieg von 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Langfristig betrachtet geht die Zahl der Scheidungen jedoch zurück: 2025 gab es 39,2 Prozent weniger Scheidungen als 2003, als der höchste Stand seit der deutschen Wiedervereinigung erreicht wurde. Auf ein Rekordtief im Jahr 2023 folgte eine leichte Zunahme.

Probleme in der Partnerschaft: Kommunikation und Sex

Paare kämpfen nach Erfahrung des Therapeuten Jochen Cunz mit Problemen wie mangelnder Kommunikation, Neugier oder Einfühlungsvermögen eines Partners. Auch unterschiedliche Vorstellungen von körperlicher Nähe und Sex gehören in seiner Praxis seit Jahren zu den Dauerbrennern. „Den Menschen steht heute die Welt offen, während sie früher bei der Partnersuche lokal eingeschränkt waren. Da glauben manche, dass es irgendwo doch noch jemanden besseren geben muss“, sagt Cunz.

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Zudem sei es zunehmend so, dass Frauen unter hoher Arbeitslast litten, da sie trotz Berufstätigkeit einen großen Anteil der unbezahlten Care-Arbeit in der Familie leisteten – oder die gesamte. „Viele Frauen sagen: 'Ich kann nicht mehr'“, berichtet der in Bad Homburg bei Frankfurt praktizierende Therapeut. Auch heute seien es fast ausnahmslos die Frauen, die den Ausschlag zur Paartherapie gäben.

Ehen werden später geschieden

Ein weiterer Trend in der Statistik: Ehen werden immer später geschieden. Die Scheidung kam 2025 im Schnitt nach 14 Jahren und 7 Monaten, 1994 noch nach durchschnittlich 12 Jahren. Etwa 16 Prozent der Paare ließen sich 2025 im Jahr ihrer Silberhochzeit nach 25 Jahren Ehe oder später scheiden. In den 1990er Jahren lag dieser Anteil noch unter elf Prozent.

Die Berliner Familienanwältin Alicia von Rosenberg bestätigt diesen Trend: „Wenn die Kinder aus dem Haus sind, hat man heute noch einen großen Lebensabschnitt vor sich. Zu mir kommen teilweise Menschen, die 70 Jahre alt sind oder älter, die zusammen Kinder aufgezogen haben und sich dann aber für eine Trennung entscheiden.“

Paare mit Kindern und neue Lösungsmodelle

Auch Paare mit kleinen Kindern kommen in ihre Kanzlei. „Sie sagen, wir funktionieren als Paar nicht mehr, wollen uns aber die Verantwortung weiter teilen“, so von Rosenberg. Die Väter brächten sich heute sehr viel stärker ein. Sie empfehle betroffenen Eltern eine Beratung dazu, was in Trennungsphasen als Familie wichtig ist und wie man Kindern eine Trennung am besten mitteilt.

2025 hatten etwas mehr als die Hälfte der Scheidungspaare minderjährige Kinder: Das Bundesamt gibt deren Zahl insgesamt mit etwa 113.400 an. Eine weitere langfristige Entwicklung: Der Anteil der Ehescheidungen mit einem Kind nimmt ab, der Anteil mit zwei oder mehr Kindern nimmt zu. 2025 hatte mehr als jedes zehnte Scheidungspaar drei oder mehr Kinder.

Paartherapeut Cunz berichtet, dass die Paare aus seiner Erfahrung Lösungen suchten und fänden, um die Trennung für die Kinder so verträglich wie möglich zu machen. So blieben die Kinder im Haus und die Eltern wohnten dort im Wechsel – oder man wohne wie in einer Wohngemeinschaft weiter zusammen, obwohl man kein Paar mehr sei.

Details zu Scheidungsanträgen und gleichgeschlechtlichen Ehen

Rund 90 Prozent der Scheidungsanträge wurden 2025 mit Zustimmung des Ehegatten oder der Ehegattin eingereicht, mit 81 Prozent wurden die meisten Paare nach einer Trennungszeit von einem Jahr geschieden. 1,3 Prozent der Ehescheidungen betrafen gleichgeschlechtliche Paare, insgesamt rund 1.700. Der Anstieg im Vorjahresvergleich betrug zehn Prozent. Gleichgeschlechtliche Paare können seit 2017 in Deutschland heiraten. 2025 wurden 339.900 Ehen zwischen Mann und Frau geschlossen, 8.900 Ehen zwischen Personen gleichen Geschlechts.

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