Studie: Sechs von zehn Kindern mit Behinderung auf Förderschulen
Sechs von zehn Kindern mit Behinderung auf Förderschulen

In Deutschland besuchen sechs von zehn Kindern mit Behinderung eine Förderschule – das sind bundesweit mehr als 350.000 Schülerinnen und Schüler. Das zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Menschenrechte, die Ende Juni veröffentlicht wurde. Obwohl sich Deutschland mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention vor 17 Jahren zu einem inklusiven Bildungssystem verpflichtet hat, bleibt die Umsetzung in der Realität weit hinter den Erwartungen zurück.

Eltern wünschen sich Inklusion, scheitern aber an den Rahmenbedingungen

Rund 70 Prozent aller Eltern, deren Kinder eine Förderschule besuchen, hätten ihren Nachwuchs lieber auf eine Regelschule geschickt. Gehindert werden sie jedoch durch unzureichende Rahmenbedingungen: Mehr als die Hälfte der Eltern kritisiert die mangelnde Ausstattung der Regelschulen. Lehrkräfte können dort häufig nicht angemessen auf die Bedürfnisse von Kindern mit Behinderung eingehen, während Förderschulen die entsprechenden Strukturen für eine gute Betreuung bieten. Rund 90 Prozent der Eltern erwarten, dass sich Fachkräfte auf Förderschulen kompetent um ihr Kind kümmern.

Angst vor sozialem Ausschluss und emotionale Belastung

Ein weiteres Hemmnis ist die Sorge der Eltern, ihr Kind könne auf einer Regelschule keinen sozialen Anschluss finden. Mehr als zwei Drittel der Eltern hoffen, dass ihr Kind auf einer Förderschule Freundschaften schließen kann. Die Studie zeigt jedoch, dass Kinder mit Behinderung an Regelschulen keinesfalls ausgeschlossen werden – eine Mehrheit der Eltern hat den Eindruck, ihr Kind werde dort von Mitschülerinnen und Mitschülern akzeptiert. Generell befürwortet eine deutliche Mehrheit der befragten Eltern das gemeinsame Lernen: Fast 70 Prozent der Eltern, die ihr Kind auf eine Regelschule geschickt haben, gaben dies als Grund an. Allerdings bedeutet das gemeinsame Beschulen eine hohe emotionale Anstrengung und einen hohen organisatorischen Aufwand für die Familie, manchmal beeinflusst es das Wohlergehen des Kindes negativ.

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Regionale Unterschiede bei Förderschulempfehlungen

Die Studie zeigt auch regionale Unterschiede: In süddeutschen und ostdeutschen Bundesländern wird Kindern mit Behinderung eher eine Förderschule empfohlen, während norddeutsche Bundesländer sowie Stadtstaaten wie Berlin, Bremen oder Hamburg stärker auf gemeinsames Lernen setzen. Die Forschenden weisen auf Grenzen der Untersuchung hin: Die Meinung von Eltern, deren Kindern das Lernen besonders schwerfällt, ist unterrepräsentiert, und die Studie bildet Schulformen wie Gymnasien, Grundschulen und Freie Waldorfschulen stärker ab als Gesamt- oder Hauptschulen. Statistisch repräsentativ seien die Ergebnisse daher nicht.

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