Heinrich Basting, Winzer und Wirt des Rheingauer Weinbrunnens auf dem Rüdesheimer Platz in Berlin, blickt skeptisch auf die Pläne des Senats, das Viertel als Ausgehviertel mit verlängerten Schließzeiten für Außengastronomie auszuweisen. Seit 23 Jahren bewirtet Basting Gäste auf dem Plateau hinter der Siegfriedstatue mit Riesling und Burgunder. Er sagt: „Lieber früher schließen – und keine Klage.“
Debatte um Nachtlärm und Öffnungszeiten
Die Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft erwägt, den Rüdesheimer Platz als Zone für verlängerte Schließzeiten einzustufen. Das neue Gastro-Gesetz könnte vielerorts Alkoholausschank bis Mitternacht erlauben. Basting, der von der Regelung profitieren würde, sieht darin jedoch eher eine Gefahr für den Frieden im Kiez. Er fürchtet, dass spätere Öffnungszeiten zu mehr Lärm und Konflikten mit Anwohnern führen könnten.
Unterschied zu Prenzlauer Berg
Anders als in Prenzlauer Berg, wo Ausgehviertel wie um die Kastanienallee bereits für lebhafte Nächte bekannt sind, ist der Rüdesheimer Platz eher ein ruhiger Treffpunkt. Basting betont: „Hier geht es gemächlich zu. Wir haben Stammgäste, die die Ruhe schätzen.“ Er befürchtet, dass eine Ausweitung der Öffnungszeiten das besondere Flair des Platzes zerstören würde.
Bürgernähe als Priorität
Der Wirt plädiert dafür, die Interessen der Anwohner zu respektieren. „Viele Leute wohnen direkt am Platz. Wenn wir bis Mitternacht bewirten, gibt es Beschwerden. Das will ich nicht.“ Statt auf längere Öffnungszeiten setzt Basting auf Qualität und frühere Schließzeiten. „Die Gäste kommen trotzdem, und wir haben keinen Ärger.“
Die Debatte um das neue Gastro-Gesetz zeigt, wie unterschiedlich die Bedürfnisse in den Berliner Kiezen sind. Während manche Wirte auf mehr Umsatz hoffen, warnen andere vor den Folgen für das nachbarschaftliche Miteinander. Basting bleibt gelassen: „Der Weinbrunnen wird auch in Zukunft ein Ort der Begegnung sein – aber in Maßen.“



