Altersdiskriminierung bei Kfz-Versicherungen: Senioren zahlen drauf
Altersdiskriminierung: Senioren zahlen mehr für Kfz-Versicherung

Eine Studie des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) zeigt: Senioren zahlen beim Online-Abschluss von Kfz-Versicherungen deutlich höhere Prämien als jüngere Fahrer. Gleichzeitig sinkt die Auswahl an Angeboten für über 65-Jährige. Die von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes geförderte Untersuchung liegt dieser Redaktion vorab vor.

Höhere Tarife trotz gleicher Schadenfreiheitsklasse

Selbst wer jahrelang unfallfrei fährt, muss im Alter oft einen höheren Tarif zahlen. Die Studienergebnisse belegen: Eine hohe Schadenfreiheitsklasse wirkt sich zwar positiv auf die Tarifhöhe für ältere Versicherte (65 bis 75 Jahre) aus, doch trotz gleicher Klasse zahlen Versicherte mittleren Alters (45 bis 55 Jahre) stets niedrigere Prämien. „Dass ältere Menschen schlechtere Tarife und weniger Angebote bekommen, wenn sie eine Kfz-Versicherung online abschließen, ist für die Betroffenen schwer nachvollziehbar – sie empfinden diese Praxis als ungerechte Altersdiskriminierung“, sagt die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman.

Versicherungen berufen sich auf Risikokalkulation

Die Versicherungen rechtfertigen die höheren Preise laut IDZ als notwendige Risikokalkulation und verweisen auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sowie Unfallstatistiken. Das AGG erlaubt altersbasierte Risikoberechnungen. Allerdings bemängelt die Studie, dass die konkreten Kalkulationsmodelle als Geschäftsgeheimnis nicht einsehbar seien. Daher könnten Betroffene die sachliche Begründung der Ungleichbehandlung nicht überprüfen.

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Ataman fordert mehr Transparenz

Ataman sieht darin eine „Blackbox bei der Preiskalkulation“. Sie sagt: „Wenn Versicherungen überzeugt sind, gute sachliche Gründe zu haben, spricht auch nichts dagegen, ihre Berechnungsgrundlagen offenzulegen.“ Sie fordert mehr Transparenz und klare gesetzliche Auskunftsansprüche. „Nur durch mehr Transparenz können Versicherte überprüfen, dass sie nicht diskriminiert werden und eine legitime Risikobewertung vorliegt.“

Altersdiskriminierung betrifft viele Lebensbereiche

Altersdiskriminierung findet nicht nur auf dem Kfz-Versicherungsmarkt statt. Laut einer Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aus dem Jahr 2025 haben 45 Prozent der Deutschen bereits einmal Altersdiskriminierung erlebt. Befragt wurden damals 45-Jährige. Sie gaben an, besonders häufig wegen ihres Alters im Arbeitsleben diskriminiert zu werden (39 Prozent). 27 Prozent erlebten Altersdiskriminierung im Gesundheitsbereich, 24 Prozent bei Geschäften und Dienstleistungen. Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt haben 22 Prozent erlebt. Auch die Digitalisierung führte laut Befragten zu Benachteiligungen (11 Prozent). Insgesamt haben 35 Prozent der über 65-Jährigen in ihrem Leben bereits Altersdiskriminierung erfahren.

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