Ankerkraut löst sich von Nestlé: Gründer kaufen Anteile zurück
In einer überraschenden Wendung hat das bekannte Gewürzunternehmen Ankerkraut seine Unabhängigkeit zurückerlangt. Die Gründer Anne und Stefan Lemcke haben ihre Anteile vom Schweizer Lebensmittelriesen Nestlé zurückgekauft und beenden damit eine etwa vierjährige Partnerschaft. Der Schritt markiert eine Rückkehr zu den unternehmerischen Wurzeln des Unternehmens, das durch die TV-Show „Die Höhle der Löwen“ bundesweit bekannt wurde.
Neue Freiheit für schnelle Entscheidungen
Über den genauen Kaufpreis herrscht Stillschweigen, doch die Motivation ist klar: Ankerkraut will an seine Anfänge anknüpfen und durch die wiedergewonnene Eigenständigkeit mehr Spielraum für agile Entscheidungen schaffen. „Ankerkraut ist für uns mehr als ein Unternehmen – es ist unser Lebenswerk“, betonten die Gründer in einer Stellungnahme. Eine Unternehmenssprecherin ergänzte gegenüber Medien: „Wir können jetzt als inhabergeführtes Familienunternehmen wieder befreit, schnell und agil arbeiten.“
Shitstorm nach Nestlé-Einstieg 2022
Der ursprüngliche Verkauf an Nestlé im Jahr 2022 hatte einen massiven Shitstorm in den sozialen Medien ausgelöst. Viele Kunden und Follower warfen den Gründern vor, ihre Werte verraten zu haben, indem sie sich mit dem umstrittenen Konzern verbündeten. Kritiker machten Nestlé Vorwürfe wie Profitmaximierung auf Kosten ärmerer Bevölkerungsschichten, Rodung von Regenwald, Ausbeutung von Wasserressourcen und fortgesetzte Geschäfte mit Russland trotz des Ukraine-Kriegs.
Obwohl offiziell betont wird, dass der Rückkauf nichts mit dem öffentlichen Druck zu tun habe, räumte die PR-Agentur ein: „Uns ist natürlich trotzdem bewusst, dass Image und Außenwahrnehmung von Nestlé und Ankerkraut stark kollidiert haben. Diese Situation haben wir jetzt aufgelöst.“ Die teils heftigen Reaktionen von Kunden und Partnern hätten das Unternehmen dennoch stark getroffen.
Nestlé zeigt sich kooperativ
Alexander von Maillot, Vorstandsvorsitzender von Nestlé Deutschland, erklärte zur Entscheidung: „Wir unterstützen den Wunsch der Gründer nach größerer unternehmerischer Eigenständigkeit.“ Er lobte die Zusammenarbeit der vergangenen Jahre als konstruktiv und vertrauensvoll. Eine Ankerkraut-Sprecherin bestätigte, dass die Zeit unter Nestlé wichtige Impulse gegeben habe – insbesondere in den Bereichen Strukturen, Professionalisierung und Organisation.
Unternehmensentwicklung im Überblick
Ankerkraut wurde 2013 gegründet und erlangte 2016 durch den Auftritt in „Die Höhle der Löwen“ seinen Durchbruch. Vor dem Nestlé-Deal, bei dem der Konzern etwa 85 Prozent der Anteile übernahm, beschäftigte das Unternehmen mehr als 230 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Aktuell arbeiten rund 160 Menschen für Ankerkraut. Das Sortiment umfasst mehr als 500 Gewürze, Gewürzmischungen, Tees und Zubehörartikel.
Mit dem Rückkauf kehrt Ankerkraut zu seinen Ursprüngen als inhabergeführtes Familienunternehmen zurück. Die Gründer betonen, dass die veränderten Marktbedingungen nun mehr Flexibilität erfordern, die in der Eigenständigkeit besser umgesetzt werden kann. Das Hamburger Unternehmen sieht sich damit für die Zukunft gerüstet, seine Produkte weiterzuentwickeln und seine Marktposition zu festigen.



