Gute Nacht, liebe Automaten: Ein Rostocker erlebt die seelenlose Zukunft des Hotelgewerbes
Gute Nacht, liebe Automaten: Rostocker erlebt seelenlose Hotelzukunft

Gute Nacht, liebe Automaten: Ein Rostocker erlebt die seelenlose Zukunft des Hotelgewerbes

Ein neuer Ort, ein neuer Blick: Diese Kolumne sammelt Beobachtungen eines Neu-Rostockers – freundlich, ehrlich und ohne Schönfärberei. Veröffentlicht am 15. April 2026 um 06:30 Uhr.

Seltsame E-Mail-Rituale in der Nacht

Neulich war ich wieder in einem Hotel ohne Personal. Oder sollte ich sagen mit Personal, das nicht unbedingt aus Fleisch und Blut besteht? Irgendetwas muss meine Zimmerbuchung und meine Überweisung registriert haben. Irgendeine geheimnisvolle Intelligenz, welche mir daraufhin auch diverse Bestätigungs-E-Mails und SMS-Infos geschickt hat, die ich irgendwann nicht mehr lesen wollte, weil es mir zu viel war.

Erst als ich gegen Mitternacht das Hotel erreichte, fing ich an, sie von hinten nach vorn zu lesen. Ich suchte den Code für den automatischen Öffner des Parkplatz-Tores. Dann suchte und fand ich die E-Mail mit dem Code für die Haustür. Schließlich fand ich eine E-Mail mit meiner Zimmernummer. Idiotischerweise hatte ich zuvor versucht, die Zimmertür über den Haustür-Code zu öffnen. Das klappte nicht. Zu müde?

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Als ich schon verzweifeln wollte, öffnete ich eine weitere E-Mail: dort befand sich der Zimmercode. Mein dritter und letzter „Sesam-Öffne-Dich“-Code für die Nacht.

Schöne, neue Zukunft?

Zum ersten Mal hatte ich ein solches Hotel in Rostock in Nähe des Hafens erlebt. Immerhin war dort am Morgen Personal aus Fleisch und Blut zu sehen. Diesmal nicht. Obwohl die Zimmereinrichtung sauber und gepflegt wirkte und verhältnismäßig günstig war, hatte ich schon beim Einschlafen den Eindruck, dass etwas fehlt: Seele.

Ich musste an die Menschen denken, die sich durch die Nachtschicht etwas Geld dazuverdienen könnten, so wie meine Generation es gemacht hat. Wo sind diese Menschen jetzt und wie verdienen sie ihr Geld?

Ich bin sicher, eines Tages wird auch an Tankstellen kein Mensch mehr arbeiten. Alles lässt sich dann via Code erledigen: Tanken, Essen, Toilette. Im Hintergrund arbeiten nur noch Maschinen, Programme. Künstliche Intelligenz, die natürlich auch die Mobilität steuert. Die Fahrt auf der Autobahn.

Manche Menschen kriegen bei dieser Vorstellung Herzklopfen – vor Freude. Ich gehöre nicht dazu. Mir graut vor einer solchen Zukunft.

Ich muss mich vor der Maschine als Mensch zeigen

So wie mir schon bei der Buchung der Hotelzimmer in Rostock und an dem anderen Ort vor Ironie fröstelte: verlangte die Maschine an einem gewissen Punkt doch, dass ich mich als Mensch identifiziere. Was für eine groteske Machtdemonstration.

Das Rostocker Automatenhotel befindet sich übrigens in Nähe der Neptunwerft. Die früheren Werft-Arbeiter mussten hart arbeiten. Mit ihren Händen. Das gab ihrem Leben die Würde, derer wir uns heute selbst berauben. Gute Nacht.

Haben Sie ähnliche oder auch ganz andere Erlebnisse mit Rostock gemacht? Gibt es Orte, Menschen oder Geschichten, die man kennen sollte? Schreiben Sie mir gern: [email protected]

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