FCAS-Luftkampfsystem erhält neue Gnadenfrist nach festgefahrenem Streit
FCAS bekommt Gnadenfrist nach festgefahrenem Streit

Das Ringen um das deutsch-französische Luftkampfprojekt FCAS geht in eine weitere Runde. Nachdem das milliardenschwere Rüstungsvorhaben zuletzt kurz vor dem Scheitern stand, haben Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron dem Prestigeprojekt eine weitere Gnadenfrist eingeräumt. Beim EU-Gipfel in Nikosia delegierten sie die Verantwortung an die Verteidigungsministerien beider Länder, die in den kommenden Wochen konkrete nächste Schritte vereinbaren sollen.

Hintergrund des Tauziehens um FCAS

FCAS steht für „Future Combat Air System“ und soll als Verbundsystem aus Kampfjets und bewaffneten sowie unbewaffneten Drohnen ab 2040 den Eurofighter und die französische Rafale ablösen. Es wäre das größte und teuerste europäische Rüstungsprojekt. Doch die beteiligten Industrieunternehmen – Dassault aus Frankreich, Airbus aus Deutschland und Indra aus Spanien – konnten sich bisher nicht über die Aufteilung der Arbeiten, das geistige Eigentum und die Flugtauglichkeitszertifikate einigen. Vermittlungsgespräche brachten zuletzt keinen Durchbruch.

Merz‘ Vorschlag: Mehrere Jets statt eines Einheitsmodells

Bundeskanzler Merz hatte vorgeschlagen, nicht ein einheitliches Kampfflugzeug, sondern mehrere Varianten zu bauen, um den unterschiedlichen Anforderungen Deutschlands und Frankreichs gerecht zu werden. Macron pochte dagegen auf einen gemeinsamen europäischen Standard. In Nikosia betonte er: „Europa hat Einigkeit, mehr Unabhängigkeit und mehr Souveränität nie so sehr gebraucht wie jetzt.“ Das Projekt sei keineswegs gescheitert.

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Auch Spanien, der dritte Partner, drängte auf Fortschritte. Regierungschef Pedro Sánchez stellte klar: „Spanien ist jedenfalls nicht das Problem.“

Politische Brisanz und strategische Bedeutung

Ein Scheitern von FCAS wäre für Merz und Macron ein schwerer Schlag. Der innenpolitisch ohnehin geschwächte Macron könnte weiteren Schaden nehmen, und Merz, der sich eine Verbesserung der deutsch-französischen Beziehungen auf die Fahnen geschrieben hat, sähe sich ebenfalls in einer schwierigen Lage. Airbus-Betriebsratschef Thomas Pretzl forderte bereits: „Wir wollen endlich wieder ein gutes Kampfflugzeug entwickeln und bauen“ – möglichst ohne Dassault, aber ohne die bilateralen Beziehungen zu belasten.

Der Leiter des Studienausschusses für deutsch-französische Studien am Ifri-Institut, Paul Maurice, sieht ein Paradox: Während die strategischen Gefahren wachsen – vom Ukraine-Krieg bis zur Infragestellung der internationalen Ordnung – tun sich Paris und Berlin schwer, ihre Kurse anzugleichen. Eine Aufgabe oder Fragmentierung des Projekts wäre ein Signal strategischen Verzichts, genau in dem Moment, da die EU ihren europäischen Pfeiler in der Nato stärken will.

Alternative Partner und Auswege

Sollte der Streit unüberbrückbar bleiben, könnte Deutschland sich andere Partner suchen, etwa Schweden mit Saab oder Großbritannien, das jedoch bereits im Global Combat Air Programme (GCAP) mit Japan und Italien gebunden ist. Um ein Scheitern zu vermeiden, könnten Berlin und Paris das Vorhaben umkrempeln, um gesichtswahrend aus dem Zoff zu kommen. Ob der Streit vollends gelöst, das Projekt umgewandelt oder nur noch ein Ausweg gesucht wird, bleibt abzuwarten.

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