Bremen – Der nächste Skandal im Jobcenter Bremen: Nach der umstrittenen Kündigung des Mitarbeiters Fred Göcken wurde nun Geschäftsführer Thorsten Spinn abberufen. Wie BILD erfuhr, erfolgte die Entscheidung durch die Bremer Senatsverwaltung. Spinn ist kein Angestellter der Bundesagentur für Arbeit, sondern ein kommunaler Mitarbeiter. Seine weitere Verwendung ist unklar, vermutlich wird er an anderer Stelle in der Stadt weiterbeschäftigt.
Hintergrund: Kreativraum für 900.000 Euro
Die Abberufung steht laut BILD nicht im Zusammenhang mit der Kündigung Göckens. Vielmehr geht es um massive Vorwürfe zu Budgetüberschreitungen und fragwürdigen Ausgaben. Im Zentrum steht der sogenannte „Kreativraum“ am Jobcenter-Hauptsitz in der Utbremer Straße. Der 98 Quadratmeter große Bereich wurde 2024 für interne Workshops und Schulungen eingerichtet. Die Ausstattung umfasst eine Küche und hochwertige Vitra-Sitzmöbel.
Das Jobcenter gab die Kosten zunächst mit 600.000 Euro an, doch laut „Weser-Kurier“ beliefen sie sich tatsächlich auf rund 900.000 Euro. Die Trägerversammlung wurde offenbar nicht informiert, die Kosten wurden aus dem allgemeinen Verwaltungsbudget bezahlt. Dieses wird zu 84 Prozent von der Bundesagentur für Arbeit finanziert, der Rest kommt vom Bremer Senat.
Weitere Ausgaben: Frauenförderungsprojekt „Frida“
Neben dem Kreativraum wurde auch ein Bereich für das Projekt „Frida“ eingerichtet, das Kosten von 293.000 Euro verursachte. Die Trägerversammlung hatte dafür nur knapp 100.000 Euro bewilligt.
Bereits 2024 gab es Ärger um Ausgaben
Spinn stand schon länger unter Druck. 2024 wurde bekannt, dass das Jobcenter einen Großteil seines Eingliederungsbudgets fast vollständig verbraucht hatte. Damals musste es mit einer Sondererlaubnis des Bundesarbeitsministeriums auf Haushaltsmittel für 2025 zugreifen.
Die Abberufung trifft das Jobcenter in einer ohnehin angespannten Situation. Erst kürzlich hatte Mitarbeiter Fred Göcken öffentlich Missstände beim Bürgergeld kritisiert und wurde daraufhin fristlos gekündigt. Bremens Arbeitssenatorin Claudia Schilling (SPD) warf ihm vor, die Realität zu verzerren. Seither melden sich immer mehr aktuelle und ehemalige Mitarbeiter bei BILD und berichten von ähnlichen Erfahrungen. Nun verliert das Jobcenter auch noch seinen Geschäftsführer – wenn auch aus anderen Gründen.



