Berliner Zahnärzte-Versorgungswerk verklagt Ex-Direktor auf Millionenbetrag
Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) hat beim Arbeitsgericht der Hauptstadt Klage auf Schadenersatz gegen seinen früheren Direktor eingereicht. Hintergrund sind erhebliche Verluste durch gescheiterte Kapitalanlagen, die eine Versorgungslücke von über einer Milliarde Euro verursacht haben könnten. Ein erster Gütertermin ist für Mitte Juni angesetzt, wie eine Gerichtssprecherin bestätigte.
Hohe Forderungen und laufende Ermittlungen
Medienberichten zufolge beläuft sich die Schadenersatzforderung auf knapp 50 Millionen Euro. Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft hat parallel Ermittlungen wegen des Anfangsverdachts der Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung aufgenommen. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt jedoch die Unschuldsvermutung für den betroffenen Ex-Direktor.
Der Anwalt des Gekündigten teilte mit, man wolle sich während des laufenden Verfahrens nicht zu Einzelheiten äußern. Auch die Gerichtssprecherin nannte weder konkrete Details noch die exakte Höhe der finanziellen Forderungen. Wann das Gericht über die Klage verhandeln wird, steht noch nicht fest.
Kündigung wegen Interessenkonflikten bestätigt
Ende Januar hatte das Arbeitsgericht die ordentliche Kündigung des Direktors bestätigt. Das Gericht begründete dies damit, dass der Kläger seine Position in Leitungsgremien zahlreicher Beteiligungsunternehmen missbraucht und sich in Interessenkonflikte begeben habe, ohne das Versorgungswerk entsprechend zu informieren. Dieses Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.
Wirtschaftsprüfer hatten im vergangenen Jahr ermittelt, dass die Kapitalanlagen für die Alters- und Hinterbliebenenversorgung von Zahnärzten und Zahnärztinnen deutlich weniger wert sind als ursprünglich angenommen. Als Grund werden riskante Anlagestrategien vermutet, die nun zu erheblichen finanziellen Problemen führen.
Weitreichende Konsequenzen für die Versorgung
Die fehlgeschlagenen Investments bedrohen die langfristige Sicherheit der Altersvorsorge für Berliner Zahnärzte. Die mögliche Versorgungslücke von mehr als einer Milliarde Euro wirft ernste Fragen zur Governance und Kontrolle solcher Versorgungswerke auf. Der Fall beschäftigt nicht nur die Berliner Justiz an mehreren Stellen, sondern könnte auch Signalwirkung für ähnliche Institutionen haben.
Die Entwicklung wird von der Fachwelt aufmerksam verfolgt, da sie grundsätzliche Probleme bei der Anlagepolitik von berufsständischen Versorgungseinrichtungen aufzeigt. Die kommenden Gerichtsentscheidungen und Ermittlungsergebnisse werden daher mit Spannung erwartet.



