Der britische Öl- und Gaskonzern Shell übernimmt das kanadische Unternehmen ARC Resources. Der Kaufpreis beläuft sich auf rund 16,4 Milliarden US-Dollar, was etwa 13,9 Milliarden Euro entspricht. Mit diesem Schritt will Shell eigenen Angaben zufolge die rückläufige Förderung ausgleichen und seine Position im Flüssigerdgasgeschäft (LNG) stärken.
Hintergrund der Übernahme
Shell steht unter erheblichem Druck, da viele seiner älteren Öl- und Gasfelder zunehmend erschöpft sind. Die Produktionsziele können nicht mehr im gewünschten Umfang erfüllt werden. Analysten und das Unternehmen selbst hatten prognostiziert, dass Shell bis etwa Mitte des nächsten Jahrzehnts einen Rückgang der Fördermenge von 350.000 bis 800.000 Barrel Öläquivalent pro Tag kompensieren muss. Die sogenannte Reservenlebensdauer von Shell – also die Zeitspanne, in der die nachgewiesenen Reserven das aktuelle Produktionsniveau aufrechterhalten können – war im Jahr 2025 auf weniger als acht Jahre gesunken.
Auswirkungen auf die Fördermenge
Durch die Übernahme von ARC Resources kann Shell seine tägliche Fördermenge um rund 370.000 Barrel Öläquivalent steigern. Zudem erhält der Konzern Zugriff auf Reserven von zwei Milliarden Barrel Öläquivalent. Dies soll helfen, die sinkende Eigenförderung zu kompensieren und die langfristige Versorgungssicherheit zu erhöhen.
Strategische Bedeutung des Montney-Beckens
Die Übernahme konzentriert sich auf das Montney-Becken in den kanadischen Provinzen British Columbia und Alberta, wo Schiefergas gefördert wird. Die Anlagen liegen in unmittelbarer Nähe zu bestehenden Shell-Feldern, die das Werk LNG Canada versorgen. An diesem Werk hält Shell einen Anteil von 40 Prozent. LNG Canada ist strategisch wichtig, da Flüssigerdgas von dort aus asiatische Käufer schneller erreichen kann als von den meisten anderen nordamerikanischen Standorten. Shell ist bereits einer der größten Akteure auf dem globalen LNG-Markt.
Finanzielle Details
Neben dem Kaufpreis übernimmt Shell auch Nettoverbindlichkeiten und Leasingverpflichtungen von ARC Resources in Höhe von rund 2,8 Milliarden US-Dollar (etwa 2,4 Milliarden Euro). Der Gesamtwert der Transaktion beläuft sich damit auf rund 16,4 Milliarden US-Dollar.
Kritik und Kontroversen
Die Übernahme fällt in eine Zeit, in der die Gasindustrie zunehmend in die Kritik gerät. So enthüllen E-Mails und Gesprächsprotokolle, wie Vertreter von Gaskonzernen versuchen, neue EU-Klimaregeln zu verwässern. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche übernimmt dabei teilweise deren Argumentation. Diese Entwicklungen werfen Fragen zur Rolle fossiler Brennstoffe in der Energiewende auf.



