Während Industriedesign Produkte vom Bohrhammer bis zur Zahnbürste ästhetisch aufgewertet hat, bleiben Klimaanlagen oft zurück. Bei den kommenden „Red Dot Awards“ im Essener Aalto-Theater wird keine Klimaanlage eine besondere Ehrung erhalten. Peter Zec, Chef des Awards, sagt: „Früher gehörten Klimaanlagen in Autos noch keineswegs zur Standardausstattung und auch heute sind sie – zumindest in unseren Breitengraden – in Wohnhäusern eher die Ausnahme.“
Wenige Klimaanlagen unter den Preisträgern
In der Kategorie 33 („Heating and Air Conditioning Technology“) wurden in diesem Jahr 98 Produkte gewürdigt, aber lediglich 20 davon sind Klimaanlagen. Die meisten stammen aus Asien, keine einzige aus Deutschland. „Klimaanlagen sind in den industriestarken Ländern Europas noch vergleichsweise wenig verbreitet – deutlich weniger als in Regionen, in denen sie aufgrund der klimatischen Bedingungen unverzichtbar sind“, so Zec. Mit dem Zusatz „Best of the Best“ dürfen sich zwei Geräte schmücken, jedoch keine Klimaanlage: Den Preis räumten ein Luftreiniger und ein Batteriespeicher ab.
Ästhetische Ansprüche an Klimaanlagen
Anders als bei Batteriespeichern haben die meisten Menschen den Anspruch, dass eine Klimaanlage in ihrer Wohnung gut aussieht – oder ihr Heim zumindest nicht hässlicher macht. Wer seine Wohnräume herunterkühlen möchte, kommt nicht umhin, die Geräte in dem Zimmer arbeiten zu lassen, dessen Temperatur sie senken sollen. Derzeit entspinnt sich in Deutschland eine Diskussion, ob mehr Klimaanlagen verbaut werden müssten. Sowohl Hausbesitzer als auch Menschen in Eigentums- oder Mietwohnungen fragen sich, wie sie eine Klimaanlage möglichst ästhetisch in ihren Wohnraum integrieren können.
Technische Lösungen und Designprobleme
Technisch sind sogenannte Split-Klimaanlagen für Hausbesitzer problemlos zu installieren. An der Außenwand erzeugt das Aggregat die kühle Luft, im Innenraum verteilt sie ein zweites Gerät. Der nötige Durchbruch der Wand bedarf keiner Zustimmung, solange Geräuschemissionen berücksichtigt werden. Bei einer Wohngemeinschaft sieht das anders aus: Die Eigentümergemeinschaft muss zustimmen, damit die Wand durchbrochen werden darf. Selbst wenn es einen solchen Beschluss gibt, hilft das der Ästhetik nur bedingt. Bislang scheinen die Produzenten der im Innenraum sichtbaren Teile der Split-Klimageräte sich mit wenig Design zufriedenzugeben. Es handelt sich schlicht um schmale Kästen, die an der Wand hängen.
Erste Designansätze bei Hitachi und LG
Erst im Jahr 2007 führte Hitachi in der Shirokumakun S-Serie eine „metallische Zierleiste“ an den Geräten ein, deren „einziger Zweck“ es war, „eine emotionale Reaktion beim Kunden hervorzurufen“ und ihn „mehr als nur ein Gerät sehen zu lassen“. Knapp 20 Jahre später spüren Bewohner angesichts der Ästhetik der Geräte vermutlich eher: nichts. Wer keine Wand durchbohren kann, dem bleibt noch die sogenannte Monoblocklösung, wie sie auch Bosch anbietet. Sie erfordert, einen weißen Rüssel durch ein Fenster nach außen zu legen. Weiß, ein wenig abgerundet, wirkt diese Art der Klimaanlage wie ein aufgeblasener Wassertank – oder Star-Wars-Held R2D2 nach einem Hungerstreik.
Zukunft und Paradoxon
Bis formschöne Geräte wie Samsungs mit einem „Red Dot Design Award“ bedachter „Bespoke AI Windfree Pro“ im Wohnzimmer zur Standardausrüstung gehören, wird wohl noch eine Weile vergehen. „Der steigende Bedarf an Klimaanlagen und ihre zunehmende Produktion treibt den Klimawandel jedoch zugleich weiter voran – ein wahres Paradoxon“, sagt Peter Zec. Das Unternehmen LG kann sich über einen „if Design Award“ für seine „Whisen Objet Collection“ freuen. Zielgruppe: Afrika und Asien. Verfügbarkeit in Deutschland: keine. Immerhin gibt es die Modelle der Serie Artcool auch hierzulande zu kaufen. Sie tarnen sich als Bilderrahmen. Nutzer können darin ihre eigenen Wunschmotive platzieren, während aus dem Holzrahmen kühlende Luft strömt. Geeignet ist das Produkt für eine Fläche von fünf bis 40 Quadratmetern.



