Rechtsextreme werben gezielt Kinder an – Verfassungsschutz schlägt Alarm
Rechtsextreme werben gezielt Kinder an – Warnung

Die rechtsextreme Szene in Deutschland wächst und setzt zunehmend auf junge, aktionsorientierte Mitglieder – sogar Kinder werden gezielt angeworben. Das geht aus dem neuen Jahresbericht des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) hervor, der erstmals ein eigenes Kapitel der Nachwuchsrekrutierung widmet.

Zahlen und Entwicklung der Szene

Laut dem Bericht stieg die Zahl der Personen, die dem rechtsextremen Spektrum zugerechnet werden, im Jahr 2025 um über 8.000 auf insgesamt 59.850. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) warnte: „Besonders alarmierend ist der Trend zu einer jüngeren, vernetzteren und aktionsorientierten Szene.“ Die Zahl der Gewalttaten mit rechtsextremem Hintergrund nahm um knapp neun Prozent zu – von 1.281 im Jahr 2024 auf 1.395 im Jahr 2025. In beiden Jahren gab es sechs versuchte Tötungsdelikte.

Gezielte Ansprache von Kindern und Jugendlichen

Der Verfassungsschutz betont, dass rechtsextreme Gruppen vermehrt auf Kinder und Jugendliche abzielen. „Ihre Anhänger haben in der Regel keine geschlossene rechtsextreme Weltanschauung, weisen aber eine ausgeprägte Gewaltaffinität auf“, heißt es im Bericht. Die Feindbilder umfassen politische Gegner sowie Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Intersexuelle und queere Menschen (LGBTQ+). Die Behörde warnt explizit: „Die Gewaltorientierung dieser Akteure kann bis hin zu rechtsterroristischen Tendenzen reichen.“ Als Beispiel wird die Gruppe „Letzte Verteidigungswelle“ genannt, gegen die bereits wegen Terrorverdachts ermittelt wurde.

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Jugendorganisationen und Social Media

Die Jugendorganisationen „Junge Nationalisten“ (JN) der Partei „Die Heimat“ und die „Nationalrevolutionäre Jugend“ (NRJ) der Partei „Der III. Weg“ warben laut Bericht mit „intensiven Kampagnen in sozialen Medien“ um Mitglieder. Sie lockten mit „niedrigschwelligen Angeboten wie Demonstrationen, geselligen Abenden und anderen Freizeitaktivitäten“. Rechtsextreme Gruppen böten mit ihrer „Ordnungs-, Überlegenheits- und Gemeinschaftsideologie“ vermeintliche Hilfe bei der Krisenbewältigung, Identitätsbildung und Sinnsuche.

Fokus auf Gender und Männlichkeitsbilder

Ein Schwerpunkt der rechtsextremen Agitation liegt laut Bericht auf „Hetze gegen die LGBTQIA+-Community, der Auseinandersetzung mit Männlichkeitsbildern, der Fokussierung auf traditionelle Geschlechterrollen und Kampfsport, der mit spezifischen Männlichkeitsidealen aufgeladen ist“. Innenminister Dobrindt sieht darin einen Beleg dafür, „wie systematisch die rechtsextreme Szene daran arbeitet, die nächste Generation zu radikalisieren“.

AfD im Visier

Grünen-Chef Felix Banaszak forderte angesichts des Berichts eine Debatte über ein AfD-Verbot: „Das Gesamtbild ist so klar wie alarmierend: Jedes dritte AfD-Mitglied ist laut Verfassungsschutz rechtsextremistisch verdächtig. Fünf Landesverbände gelten als gesichert rechtsextremistisch.“ Der Verfassungsschutz stuft 28.000 der 70.000 AfD-Mitglieder als rechtsextremistisch ein – 8.000 mehr als im Vorjahr. Banaszak: „Die AfD ist keine normale demokratische Partei; sie gefährdet unsere freiheitliche demokratische Grundordnung.“

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