Neue Studie: Kultur macht Berlin reich – jeder Euro bringt 3,56 Euro zurück
Studie: Kultur bringt Berlin 3,56 Euro pro investiertem Euro

Berlin profitiert massiv von seiner Kulturlandschaft: Eine neue Studie des Instituts für kulturelle Teilhabeforschung (IKTf) zeigt, dass jeder Euro öffentlicher Kulturförderung im Durchschnitt 3,56 Euro an finanziellen Rückflüssen für die Stadt generiert. Die Gesamtrückflüsse belaufen sich auf knapp 1,9 Milliarden Euro – bei einer Fördersumme von 541,8 Millionen Euro im Jahr 2024. Damit erwirtschaftet die Kulturförderung einen Überschuss von über 1,3 Milliarden Euro.

Erstmals systematische Erfassung der Kultureffekte

Bislang wurden die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirkungen der Berliner Kultur nie umfassend gemessen. Das IKTf schließt diese Lücke mit seiner aktuellen, vom Senat für Kultur finanzierten Studie. Erstmals werden ökonomische, soziale, gesundheitliche und touristische Effekte gemeinsam quantifiziert. Dazu nutzt das Institut eigene repräsentative Befragungen zur Kulturteilhabe, eine ergänzende Betriebsbefragung sowie Daten von Senatsverwaltungen, Visit Berlin, Statistischen Ämtern und der Künstlersozialkasse.

Die Studie untersucht 65 öffentlich geförderte Kultureinrichtungen und freie Gruppen. Sie analysiert direkte Effekte wie Personalkosten und laufende Ausgaben sowie indirekte Wirkungen wie Aufträge an Handwerk und Technologieunternehmen, Materialeinkäufe und Ausgaben des Publikums. Diese Ausgaben kommen Gastronomie, Einzelhandel und anderen Dienstleistungen zugute.

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Museen und Gedenkstätten besonders profitabel

Die Wirtschaftlichkeit variiert stark zwischen den Einrichtungen: Museen und Gedenkstätten erzielen einen Überschuss von 471 Millionen Euro und eine indirekte Wirtschaftlichkeitsrate (UWR) von 6,7. Sprechtheater erreichen eine UWR von 3,48, Opernhäuser von 2,7 bei einem Überschuss von 206 Millionen Euro. Das Berliner Ensemble meldet eine Auslastung von 98 Prozent.

Rund 63 Prozent der Rückflüsse stammen aus Ausgaben von Kulturbesuchern. Dabei entfallen mehr als 73 Prozent der Besucherausgaben auf Touristen. „Jeder investierte Euro generiert im Durchschnitt mehr als das Dreieinhalbfache an finanziellen Rückflüssen für die Stadt“, betonen die Studienautoren Vera Allmanritter, Tibor Kliment und Thomas Renz.

Freie Szene als wichtiger Wirtschaftsfaktor

Die Bruttowertschöpfung der Berliner Kultur- und Kreativwirtschaft liegt zwischen 12 und 15 Milliarden Euro jährlich – mehr als die des Industriesektors. Mit 195.000 Beschäftigten übertrifft sie die Industrie (108.000). Die freie Szene spielt trotz niedriger Einkommen eine zentrale Rolle. Das IKTf empfiehlt, „die freie Szene stärker als wichtigen Teil der Berliner Stadtwirtschaft zu verstehen und Förder- und Honorarsysteme enger an ihre tatsächliche wirtschaftliche Bedeutung anzupassen“.

Kultur steigert Wohlbefinden und Standortattraktivität

Die Studie belegt auch positive Effekte auf Gesundheit und Lebensqualität: „Der Besuch von Kulturveranstaltungen erhöht messbar das individuelle Wohlbefinden der Berlinerinnen und Berliner.“ Zudem macht Kultur Berlin für Unternehmen attraktiv und hilft bei der Gewinnung von Fachkräften. Sie ist der Hauptgrund für Touristen, die Stadt zu besuchen.

Die Autoren fordern, Kulturangebote bewusster als Quelle persönlicher Zufriedenheit zu fördern und als Orte sozialer Integration anzuerkennen. Im Tourismus sei ein zeitgemäßes Narrativ nötig, das Berlin als Kultur- und Kreativmetropole präsentiert. Die City Tax solle zweckgebunden für Kultur verwendet werden, etwa durch einen dauerhaften Investitionsfonds.

Die Studie liefere „eine fundierte Grundlage für politische Debatten und stärkt Verhandlungen zwischen verschiedenen Politikfeldern“, so die Autoren. Ob der Senat und das Abgeordnetenhaus die Ergebnisse umsetzen, bleibt abzuwarten – bei der Vorstellung am Montag war kein Vertreter der Senatskulturverwaltung anwesend.

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