Die Deutsche Bahn (DB) stellt sich auf ein extrem heißes Wochenende ein und warnt Fahrgäste bereits jetzt vor möglichen Störungen und Verzögerungen im gesamten Bundesgebiet. Grund ist das Hitze-Hoch, das nach Prognosen des Deutschen Wetterdienstes am Sonntag Temperaturen bis zu 41 Grad Celsius bringen soll – das internationale Wettermodell ICON sagt sogar Spitzenwerte um die 44 Grad voraus. Die Schienen des Konzerns sind laut eigenen Angaben zwar für Temperaturen zwischen minus 20 und plus 60 Grad ausgelegt, doch bei anhaltender Hitze drohen Verformungen und technische Ausfälle.
Klimaanlagen in Fernverkehrszügen für bis zu 54 Grad ausgelegt
Die DB teilte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit, dass 275 aller Fernverkehrszüge über „neuere Klimaanlagen“ verfügen. Diese seien so konstruiert, dass sie „den Komfortanspruch bis zu einer Außentemperatur von plus 40 Grad Celsius“ erfüllen und „funktionsfähig bis 54 Grad“ bleiben. Für den Regionalverkehr nannte das Unternehmen keine konkreten Zahlen. Ein Pressesprecher erklärte jedoch, dass „fast alle Fahrzeuge über entsprechende Klima-Technik“ verfügten. Eine pauschale Aussage sei aber nicht möglich, da „je nach Fahrzeug unterschiedliche Klimatisierungstechnik“ zum Einsatz komme.
Wasserverteilung an Bahnhöfen und in Zügen
Um die Hitzebelastung für Reisende zu mildern, will die DB an großen Bahnhöfen Mineralwasser verteilen. „An den großen Bahnhöfen stellt die Deutsche Bahn zusätzliches Wasser bereit, insgesamt sind es mehrere zehntausend Liter“, hieß es in einer Mitteilung. Auch die Fernverkehrszüge führten „ausreichend Wasservorräte“ mit sich. Mitarbeitende würden die Fahrgäste direkt ansprechen und mit Wasser versorgen.
Sonder-Kulanz: Kostenlose Stornierung von Tickets
Für die Zeit vom 25. bis 30. Juni hat die DB eine „Sonder-Kulanz“ eingerichtet. Kunden, die ihre Fahrkarte bis zum 23. Juni gebucht haben, können diese kostenlos stornieren – auch Sparpreistickets und Sitzplatzreservierungen. Das Unternehmen stellt dafür ein Kulanzformular bereit. Ein Zwischenstand zur Zahl der Stornierungen war am Freitagnachmittag noch nicht bekannt.
Hitze belastet Infrastruktur: Schienen dehnen sich aus
Die DB begründet die Kulanzregelung in ihrem Newsblog mit den Belastungen der Infrastruktur, insbesondere des Schienennetzes. „Die Technik dort ist permanent der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt“, heißt es. Bei anhaltend hohen Temperaturen und großer Trockenheit könne es entlang der Gleise zu Böschungsbränden kommen. Auch „lokal auftretende Starkregengüsse und Gewitter mit Sturmböen“ seien ein „Risiko für Signale, Gleise, Weichen und Oberleitungen“. Die DB legt allen, die auf ihre Fahrt verzichten können, „die Sonderregelung zur Stornierung nahe“.
Erfahrungen aus früheren Hitzewellen
Bereits während der Hitzewelle Anfang Juli 2025 meldeten mehrere Bahnunternehmen in Nordrhein-Westfalen Verspätungen und Zugausfälle. Als Ursachen nannte das Unternehmen hitzebedingte Weichenstörungen, Belastungen der Fahrzeuge und technische Probleme. Auf einzelnen Strecken mussten Züge wegen defekter Klimaanlagen oder überhitzter Lokomotiven aus dem Verkehr genommen und durch Busse ersetzt werden. Zwischen Münster und Coesfeld etwa erreichten die Temperaturen in den Abteilen laut Westfälischen Nachrichten bis zu 60 Grad. Auf Nachfragen, welche technischen Schwierigkeiten die DB seit Beginn der aktuellen Hitzewelle verzeichnete, gab das Unternehmen keine Antwort.



