WM-Hype um Fußballtrikots: Wo die 100 Euro wirklich bleiben
WM-Hype um Fußballtrikots: Wo die 100 Euro bleiben

Die deutschen Fußballtrikots sind der Verkaufsschlager des Sommers. Trotz des ernüchternden letzten Gruppenspiels der Nationalmannschaft bei der WM 2026 greifen Fans massenhaft zu den Trikots. Die horrenden Preise von rund 100 Euro pro Stück sind jedoch zum Politikum geworden. Doch wer verdient eigentlich an diesen Trikots? Eine Analyse von Thilo Neumann zeigt, wo das Geld tatsächlich bleibt.

Rekordverkäufe trotz sportlicher Enttäuschung

Die Nachfrage nach den Trikots der deutschen Nationalmannschaft ist ungebrochen. Laut adidas verzeichnete das Unternehmen in den ersten Wochen der WM einen Anstieg der Verkaufszahlen um 40 Prozent im Vergleich zur vorherigen WM. „Das Interesse ist enorm“, bestätigt ein Sprecher von adidas. Allein in Deutschland wurden über 1,5 Millionen Trikots verkauft, Tendenz steigend.

Doch die Freude über den Verkaufserfolg wird durch die hohen Preise getrübt. Ein Trikot kostet im Durchschnitt 99,95 Euro – eine Summe, die viele Fans vor den Kopf stößt. Die Politik hat das Thema aufgegriffen: Verbraucherschutzministerin Steffi Lemke (Grüne) forderte mehr Transparenz bei der Preisgestaltung. „Es kann nicht sein, dass Fans tief in die Tasche greifen müssen, während die Gewinne bei den Herstellern und Verbänden landen“, sagte sie in einem Interview.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die Verteilung der 100 Euro

Eine Aufschlüsselung der Kosten zeigt, dass der Großteil des Preises nicht beim Hersteller bleibt. Von den 100 Euro gehen etwa 30 Euro an den Einzelhandel, 20 Euro an adidas für Produktion und Marketing, 15 Euro an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Lizenzgebühr, 10 Euro an die FIFA als Turniergebühr, 10 Euro für Mehrwertsteuer und 15 Euro für Transport, Logistik und sonstige Kosten. Die Gewinnmarge von adidas liegt bei etwa 5 Euro pro Trikot, während der DFB rund 10 Euro pro Trikot einnimmt.

Kritiker bemängeln, dass die Fans die Hauptlast tragen. „Die Preise sind überzogen, vor allem wenn man bedenkt, dass die Trikots in Niedriglohnländern produziert werden“, sagt der Sportökonom Prof. Dr. Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln. Er fordert eine Preisobergrenze für Fanartikel bei großen Turnieren.

Politische Forderungen nach mehr Transparenz

Die Diskussion um die Trikotpreise hat auch den Bundestag erreicht. Die SPD-Fraktion hat eine Anfrage zur Preisgestaltung von Fanartikeln gestellt. „Wir wollen wissen, wie die Preise zustande kommen und ob die Fans fair behandelt werden“, erklärt der sportpolitische Sprecher der SPD, Fritz Felgentreu. Auch die Verbraucherzentralen fordern eine Kennzeichnungspflicht für die Herstellungskosten.

Adidas verteidigt die Preise: „Die Trikots sind hochwertig und technologisch anspruchsvoll. Zudem fließen Lizenzgebühren an den DFB, der damit den Fußball in Deutschland fördert“, so ein Unternehmenssprecher. Der DFB betont, dass die Einnahmen aus den Trikotverkäufen in die Nachwuchsförderung und den Breitensport investiert werden.

Auswirkungen auf den Fan

Viele Fans reagieren verärgert. „100 Euro für ein Trikot ist einfach zu viel. Ich kaufe mir lieber ein günstigeres Nachbau-Trikot“, sagt der Fanclub-Vorsitzende Markus Schmidt aus Dortmund. Der Verkauf von Nachbauten und Fälschungen boomt daher ebenfalls. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts GfK geben 15 Prozent der Fans an, aufgrund der hohen Preise auf Fälschungen zurückzugreifen.

Die WM 2026 hat gezeigt, dass das Geschäft mit Fußballtrikots lukrativ ist, aber auch für Spannungen sorgt. Ob die Politik regulierend eingreifen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die 100 Euro bleiben nicht allein bei adidas, sondern verteilen sich auf viele Akteure – und die Fans zahlen die Zeche.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration