Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko steht kurz bevor, doch bereits vor dem Anpfiff sorgt das Turnier für hitzige Debatten. Grund sind die exorbitanten Preise, die Fans für Tickets, Reisen und Unterkünfte zahlen sollen. Der "Boston Globe" urteilte vernichtend: "Die Weltmeisterschaft ist zu einem Verbrechen geworden." Die Zeitung aus einer der Spielstädte kritisierte, dass der Fußball-Weltverband FIFA und die US-Regierung die WM wie eine Lizenz zum Stehlen behandelten.
Absurde Ticketpreise in Millionenhöhe
Bereits im Vorfeld sorgten Ticketangebote für Aufsehen. Auf der offiziellen Wiederverkaufsseite der FIFA wurden vier Tickets für das Finale angeboten – zu einem Preis von 2.299.998,85 US-Dollar pro Stück. Die Plätze befanden sich im Unterrang hinter einem der Tore. Selbst für Normalverdiener scheint der Besuch der WM unerschwinglich. Die Fan-Vereinigung "Fairness United" stellte klar: "Normalverdiener sind schlicht nicht die Zielgruppe des Events." Die FIFA rechtfertigt die Preisgestaltung mit einem variablen Preisansatz, der den Branchentrends in verschiedenen Sportarten entspreche. Allerdings kassiert der Verband bei jedem Weiterverkauf mit: 15 Prozent Gebühr vom Käufer und 15 Prozent vom Verkäufer.
Explodierende Kosten für Anreise und Unterkunft
Die weiten Entfernungen zwischen den Spielorten treiben die Reisekosten in die Höhe. Von Vancouver im Westen Kanadas nach Miami im Südosten der USA sind es rund 4500 Kilometer. Zum Vergleich: Von Portugal bis Moskau sind es knapp 4000 Kilometer. Auch die Bahnfahrt zum Finalstadion in East Rutherford, New Jersey, schlägt mit 150 US-Dollar zu Buche – zwölfmal so viel wie der übliche Preis von 12,90 Dollar. New Jerseys Gouverneurin Mikie Sherrill kündigte an, dass sie die Pendler nicht mit diesen Kosten belasten werde. Die FIFA sieht sich für den Transport nicht zuständig.
Die Hotelpreise in den Gastgeberstädten sind ebenfalls stark gestiegen. Allerdings berichtete das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes", dass die Nachfrage nicht dem Hype entspreche. Vijay Dandapani, Präsident der Hotel-Vereinigung von New York, erklärte zwei Monate vor Turnierbeginn, dass die Hotelbuchungen für Juni und Juli praktisch identisch mit denen des Vorjahreszeitraums seien. Es gab sogar Berichte über umfangreiche Stornierungen durch die FIFA selbst.
Kritik aus der Politik
Die Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestags, Aydan Özoğuz (SPD), äußerte deutliche Kritik an der Preispolitik der FIFA. "Bezahlbare Tickets sind Mangelware und das führt leider dazu, dass vielen begeisterten Fußballfans aus allen Ländern die Stadiontore verschlossen bleiben", sagte sie der "Rheinischen Post". Die Preispolitik der FIFA sei absurd.
Wirtschaftliche Prognosen vs. Realität
Gemeinsam mit dem Sekretariat der Welthandelsorganisation hatte die FIFA eine Studie veröffentlicht, die einen beträchtlichen sozioökonomischen Nutzen der WM prognostizierte. Demnach könnte das Turnier bis zu 40,9 Milliarden US-Dollar zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, davon 17,2 Milliarden US-Dollar allein in den USA. Diese Zahlen dürften auch US-Präsident Donald Trump beeindruckt haben, dessen aggressive Politik jedoch manche Fans vom Besuch abhalten könnte. Die Tourismusprognosen sind vielversprechend, doch die Realität scheint anders auszusehen: Die Hotelauslastung in New York bleibt hinter den Erwartungen zurück.
Ob die Stadien bei den 104 WM-Spielen gefüllt sein werden, bleibt abzuwarten. Die FIFA hat mit ihrer Preispolitik ein Event geschaffen, das sich nur Wohlhabende leisten können. Die Fan-Vereinigung "Fairness United" fasst zusammen: "Die FIFA hat alles darangesetzt, aus der Weltmeisterschaft ein Hochglanzprodukt zu machen, das sich medial extrem gut verkaufen lässt." Während der Spiele sei alles so teuer, dass man sich sicher sein könne, dass keine prolligen, grölenden oder betrunkenen Fußballfans durchs Bild laufen.



