Volkswagen steckt in der tiefsten Kosten- und Strukturkrise seit Jahrzehnten. Der Autobauer aus Wolfsburg kämpft mit Überkapazitäten, sinkenden Margen und einem verschärften Wettbewerb aus China. Zurzeit bereitet der Vorstand ein Sanierungspaket vor, das weit über ein bereits laufendes Sparprogramm hinausgehen würde. Neben vielen Einschnitten wird Insidern zufolge auch eine Maßnahme geprüft, die bisher als Tabu galt: Einzelne China-Modelle könnten künftig in Europa verkauft und später auch in deutschen Werken gebaut werden. Über die Lage bei VW spricht Handelsblatt-Reporter Lazar Backovic.
VW erwägt Verkauf und Fertigung chinesischer Modelle in Europa
Der Schritt wäre ein Tabubruch, denn bislang wurden Fahrzeuge aus chinesischer Produktion kaum nach Europa importiert. VW könnte damit nicht nur Kostenvorteile nutzen, sondern auch die Auslastung der deutschen Werke verbessern. Allerdings ist eine solche Entscheidung politisch heikel, da sie Arbeitsplätze in Deutschland gefährden könnte. Der Vorstand um CEO Oliver Blume steht unter enormem Druck, die Wende zu schaffen. Die Gespräche mit dem Betriebsrat und der IG Metall laufen bereits.
„Die Prüfung zeigt, wie ernst die Lage bei VW ist“, sagt Handelsblatt-Reporter Lazar Backovic. „Bislang galt der Verkauf von China-Modellen in Europa als undenkbar. Jetzt wird selbst das in Erwägung gezogen.“ Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen, aber die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. VW selbst wollte sich zu den Informationen nicht äußern.
Rüstungsaktien schwächeln: Rheinmetall-Kurs bricht ein
Neben der VW-Krise beschäftigt die Börse auch die schwache Entwicklung von Rüstungsaktien. Allein der Kurs von Rheinmetall ist in diesem Jahr um rund 40 Prozent abgesackt. Das hat zum einen mit dem geplatzten Fregatten-Projekt der Bundeswehr zu tun, aber auch mit Spekulationen über den weiteren Verlauf des Ukraine-Krieges. „Die Märkte reagieren auf die Unsicherheit“, erklärt Handelsblatt-Unternehmensreporter Roman Tyborski. „Investoren fragen sich, ob die hohen Rüstungsausgaben nach einem möglichen Friedensschluss zurückgefahren werden.“
Doch Tyborski sieht auch Chancen: „In bestimmten Regionen hat Deutschland ungenutztes Potenzial bei Rüstungsexporten.“ Er verweist auf Länder wie Indien oder Saudi-Arabien, die verstärkt aufrüsten. Die Kursentwicklung im Rüstungssektor sei möglicherweise nur eine kurzfristige Delle, kein strukturelles Risiko. „Die geopolitischen Spannungen bleiben hoch, die Nachfrage nach Rüstungsgütern wird mittelfristig stabil bleiben“, so Tyborski.
Moderiert von Anis Micijevic. Produziert von Christian Heinemann.



