Berlin – Billige Schuhe für ein paar Euro, Kleider zum Schleuderpreis, Technik zum Schnäppchen-Tarif: Millionen Deutsche shoppen längst bei Shein und Temu. Das Angebot wirkt verlockend, der Klick ist schnell gemacht. Doch der Boom hat eine Kehrseite. 460.000 Pakete schicken die beiden Plattformen inzwischen täglich nach Deutschland.
Handelsverband schlägt Alarm
Der Handelsverband Deutschland (HDE) schlägt Alarm. „Die Politik hat bei dem Thema trotz großer Versprechungen noch immer nicht geliefert“, sagt HDE-Präsident Alexander von Preen. Und weiter: „Temu und Shein halten sich oft nicht an die rechtlichen und regulatorischen Vorgaben, liefern unsichere Ware in unseren Markt, die mitunter gesundheitsgefährdend ist, und bringen viele heimische Händler an den Rand des Ruins.“
Milliarden-Schaden für Deutschland
Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft entgehen der deutschen Wirtschaft jährlich rund 2,4 Milliarden Euro – davon 1,3 Milliarden allein im Einzelhandel. Dem Staat entgehen nach Verbandsangaben jährlich rund 429 Millionen Euro an Steuern. Mehr als 40.000 Jobs sollen betroffen sein. Der Hauptgrund: Chinesische Plattformen wie Shein und Temu, über die Billigware nach Deutschland kommt.
Gesundheitsrisiken durch Schadstoffe
Doch es geht längst nicht nur ums Geld. Immer wieder schlagen Verbraucherschützer Alarm – wegen möglicher Gesundheitsrisiken durch die Produkte. Eine Greenpeace-Untersuchung aus dem Jahr 2025 fand in Kleidung von Shein gefährliche Chemikalien wie Phthalate und PFAS – teils deutlich über den EU-Grenzwerten, auch bei Kinderkleidung.
Besonders brisant: Schuhe
Bei Kontrollen in Südkorea wurden in Kinderschuhen extrem hohe Weichmacher-Werte gefunden – mehr als 400-fach über dem erlaubten Grenzwert. Diese Chemikalien stehen im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu schädigen und das Hormonsystem zu stören.
Internationaler Druck wächst
Auch in den USA wächst der Druck. Der Bundesstaat Texas hat im Februar 2026 Klage gegen Shein eingereicht und verweist dabei auf unabhängige Tests. Demnach wurden bei einzelnen Produkten Chemikalienwerte gefunden, die teils mehr als 3000-fach über den zulässigen Grenzwerten lagen. Shein und Temu weisen die Vorwürfe zurück und verweisen auf eigene Kontrollen sowie Kooperationen mit europäischen Händlern.



