Der Dax-Konzern Siemens investiert 300 Millionen Euro in den Ausbau seiner Fertigung von Energieverteilungssystemen in Deutschland und schafft damit bis 2030 rund 700 neue Arbeitsplätze. Die Investition konzentriert sich auf die Erweiterung des Schaltanlagenwerks in Frankfurt am Main sowie die Errichtung eines neuen Zulieferstandorts in Offenbach. Die Baumaßnahmen sollen in den kommenden Wochen beginnen.
Investition als Signal für den Standort Deutschland
Vorstandschef Roland Busch betonte: „Mit dieser Investition stärken wir unsere Führungsrolle bei Technologien, die das Rückgrat der Industrien von morgen bilden.“ Die Nachfrage nach intelligenter Elektrifizierung für Datencenter, Elektromobilität und industrielle Automatisierung wachse weltweit. Daher baue man „einen Standort aus, der schon heute für außergewöhnliche Flexibilität und höchste Variantenvielfalt steht“.
Die Ankündigung erfolgt vor dem Hintergrund einer schwierigen wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Während andere Konzerne wie Volkswagen Werksschließungen und Stellenabbau prüfen – bei VW könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen gestrichen werden – setzt Siemens auf Expansion. Allein in diesem Jahr könnten einer Studie zufolge bis zu 100.000 Industriearbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Auch Siemens hatte in der Sparte Digital Industries in den vergangenen Jahren Stellen gestrichen und das langsame Reformtempo kritisiert.
Schaltanlagen als Herzstück der Digitalisierung
Schaltanlagen verteilen und regulieren den Strom in Fabriken oder Rechenzentren. Die Nachfrage steigt deutlich, angetrieben durch den Boom bei Datencentern. „Der Markt für Data Center boomt weltweit mit Wachstumsraten weit über zehn Prozent“, sagte Peter Körte, der seit 1. Juli den Bereich Smart Infrastructure (SI) leitet. Die Schaltanlagen seien „das technische Herzstück für die künftigen Superhirne der Industrie“.
Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres steigerte Siemens den Auftragseingang im Rechenzentrumsgeschäft auf 1,9 Milliarden Euro – ein prozentual dreistelliger Anstieg. Der Umsatz mit diesen Technologien legte um mehr als 45 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zu. Auch das abgespaltene Unternehmen Siemens Energy profitiert: In der Sparte Gas Services entfallen etwa 25 Prozent des Auftragseingangs auf Datencenter, wie Vorstandschef Christian Bruch berichtete.
KI treibt Nachfrage nach Rechenzentren
Die neuen Rechenzentren werden vor allem für Technologien rund um Künstliche Intelligenz (KI) benötigt. Zwar ist oft noch unklar, wie KI-Geschäftsmodelle künftig aussehen, doch der Bedarf an Rechenleistung steigt weiter. Die Experten des Immobilienkonzerns Jones Lang LaSalle gehen davon aus, dass sich die weltweite Rechenzentrumskapazität bis 2030 auf rund 200 Gigawatt verdoppeln könnte.
Deutschland profitiert vom Boom: Gasturbinen von Siemens Energy werden in Berlin gebaut, und das Frankfurter Schaltanlagenwerk beschäftigt derzeit rund 2800 Mitarbeiter in zwei Fertigungsstätten. Die Vorfertigung wird nach Offenbach verlagert, um in Frankfurt Kapazitäten für den Ausbau der Schaltanlagenproduktion zu schaffen.
Positive Resonanz aus der Politik
Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) lobte die Investition: „Das ist ein großartiges Signal für die Region Frankfurt-Rhein-Main.“ Es zeige sich, dass die Region „nach wie vor ein attraktives Ansiedlungsgebiet für Wirtschaft und Industrie“ sei. Die Industrie bilde ein wichtiges zweites Standbein neben der Finanzwirtschaft, sagte Josef.
Siemens ist Teil der Initiative „Made for Germany“ und hatte bereits angekündigt, eine Milliarde Euro in Deutschland in Fertigung und Entwicklung zu investieren. Die nun angekündigten 300 Millionen Euro kommen laut Industriekreisen zusätzlich hinzu.



